Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.
Biologische Station Soest

Schlanklibellen (Coenagrionidae)

Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum)

Nordrhein-Westfalen liegt innerhalb des Kern-Verbreitungsgebietes der Fledermaus-Azurjungfer, dennoch ist die Art bei uns nur mäßig häufig. Sie besiedelt gerne Stillgewässer in einem späteren Entwicklungsstadium, die sich durch eine vielfältige Vegetationsstruktur auszeichnen, wie z.B. Altarme.  Bei uns im Kreis Soest ist die Fledermaus-Azurjungfer relativ selten. Vorkommen sind aber von Altarmen und Kleingewässern in der Lippeaue bekannt.  
RL: in ganz NRW gefährdet.

Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula)

Die frühe Adonislibelle ist in ganz Nordrhein-Westfalen weit verbreitetet und auch im Bergland häufig. Ihr Lebensraum sind kleinere bis große Stillgewässer mit ausgeprägter Ufervegetation, vom kleinen Teich bis zum großen See. Wie der Name sagt, beginnt ihre Flugzeit schon sehr früh in der ersten Aprilhälfte. Ab Juli ist sie kaum noch anzutreffen.

Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Die Gabel-Azurjungfer ist eine südlich verbreitete Art, die sich jedoch seit Mitte der 1980er Jahre nach Norden ausbreitet. Im Jahre 2002 wurde sie erstmals in Nordrhein-Westfalen im Raum Rietberg nachgewiesen. 2019 gelangen dann auch im Kreis Soest Nachweis an drei verschiedenen Orten: im Alpbach nördlich von Herzfeld, in der Ollen Wiese bei Erwitte und der Woeste bei Ostinghausen. Es wurden jeweils mehrere Individuen nachgewiesen, die auch bei der Paarung beobachtet werden konnten. Im Jahr 2020 wurde die Art auch in der Klostermersch bei Benninghausen beobachtet.

Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

Die Becher-Anzurjungfer ist in Mitteleuropa und NRW weit verbreitet. Sie bevorzugt größere Stillgewässer mit offener Wasserfläche, kommt aber auch in anderen Gewässertypen vor. Auch bei uns ist sie im Tiefland allgemein verbreitet und mit die häufigste Kleinlibelle, kommt aber auch im Süden des Kreises vor.

Große Pechlibelle (Ischnura elegans)
Die recht anspruchslose Große Pechlibellen ist in Europa und NRW sehr weit verbreitet. Sie kommt an nahezu allen stehenden und langsam fließenden Gewässern vor. Selbst in verschmutzten und fischreichen Kleingewässern und in naturfernen Wasserbottichen kann man die Große Pechlibelle oft als einzige Art finden. 

Hufeisen-Azurjungfer(Coenagrion puella)

Die Hufeisen-Azurjungfer gehörte in Deutschland, NRW und auch bei uns zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Kleinlibellenarten. Sie kommt an Stillgewässern aller Art und auch an langsam fließenden Gewässern vor.

Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Die Helm-Azurjungfer ist eine südwesteuropäische Art, die in Nordrhein-Westfalen sehr selten ist. Ihren Schwerpunkt in NRW hat sie im Raum Münster und in Minden-Lübbecke. Dort besiedelt sie kleine, besonnte und pflanzenreiche  Fließgewässer. Bei uns wurde sie nur einmal im Jahr 1998 in der Lippeaue bei Hellinghausen nachgewiesen.
RL: in ganz NRW stark gefährdet.

Großes Granatauge(Erythromma najas)

Das Große Granatauge hat landesweit seinen Verbreitungsschwerpunkt in den Flusstälern, wo es überwiegend größere Stillgewässer mit Schwimmblattvegetation besiedelt. Auf den großen Blättern von Teich- oder Seerosen sitzt das Große Granatauge gerne weit vom Ufer entfernt. Nachweise aus Altwässern der Lippe bei Lippborg, Benninghausen und Hellinghausen und der Woeste bei Ostinghausen. Es fliegt früher und ist deutlich seltener als das Kleine Granatauge.

Kleines Granatauge(Erythromma viridulum)

Seiner Schwesterart, dem Großen Granatauge sehr ähnlich, besiedelt das weit häufigere Kleine Granatauge eher Stillgewässer im Pionierstadium, sobald flutende Tauchvegetation oder Algenmatten entwickelt ist. Die an die Wasseroberfläche reichenden Pflanzenteile werden vom Kleinen Granatauge als Sitzwarten genutzt. Im Zuge der Sukzession der Gewässer verschwindet die Art dann häufig wieder. Regelmäßig in geeigneten Gebieten der Lippeaue, und an Artenschutzgewässern und Tümpeln z.B. in den Feuchtwiesengebieten der Ahseaue, bei Geseke und am Hellweg.

Kleine Pechlibelle(Ischnura pumilio)

Im Gegensatz zu ihrer großen Schwester ist die Kleine Pechlibelle in Nordrhein-Westfalen bei weitem nicht so häufig. Sie besiedelt bei uns vor allem Stillgewässer im Pionierstadium, oft bereits im Jahr nach der Neuanlage. Wichtig scheint eine geringe Vegetationsdichte im Gewässer zu sein. Mit der Ententwicklung eines Gewässers im Laufe der Sukzession verschwindet die Kleine Pechlibelle oft wieder. Auch im Kreis Soest ist die Art nicht häufig. Ihren Habitatansprüchen entsprechend kommt sie am ehesten an neugeschaffenen Kleingewässern und Blänken der Feuchtwiesengebiete in der Ahseaue, bei Herzfeld und in Geseke sowie in der Lippeaue vor. Außerdem besiedelt sie Sandabgrabungen und Artenschutzgewässer.  
RL: in ganz NRW gefährdet.

Mond-Azurjungfer(Coenagrion lunulatum)

Die Mond-Azurjungfer ist eine Art der Hochmoore und ihrer Randbereiche, die in Deutschland eher im Osten und Norden verbreitet ist. Die Fortpflanzungsgewässer sind eher nährstoffarm. In NRW ist sie sehr selten. Bei uns im Kreis Soest wurde sie als Ausnahmegast bisher nur einmal bei Lippstadt nachgewiesen.
RL: in ganz NRW: vom Aussterben bedroht.

Pokaljungfer (Erythromma lindenii)

Mit ihrem Verbreitungsschwerpunkt in Südwestreuropa  gehört die Pokaljungfer in Nordrhein-Westfalen zu den mäßig häufigen Arten, die vor allem die wärmebegünstigten Flussauen besiedelt. Dort lebt sie bevorzugt in Gewässern mit einer ausgeprägten Flachwasserzone. Im Einzugsbereich der Lippe kommt die Art in einigen Gebieten vor, insbesondere in den Sandabgrabungen bei Lippstadt.