Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.
Biologische Station Soest

Fledermäuse

Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Die Kleine Hufeisennase ist als Winterschläfer im Raum Warstein bis zum Anfang der 1960er Jahre nachgewiesen. Auch aus Werl liegt eine alte Feststellung vor. Die Art ist in ganz Westfalen seit fast 60 Jahren ausgestorben. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist sie wieder auf dem Vormarsch. Vielleicht erreicht sie im Zuge dieser (Klimaänderungs-bedingten?) Zunahme auch mal wieder Westfalen.

(Großes) Mausohr (Myotis myotis)

Neben wenigen neuen Einzelfeststellungen sind z. Z. nur zwei Wochenstuben des Großen Mausohrs im Kreis Soest bekannt. Es liegen ältere Nachweise bis in die 1970er Jahre von etlichen Kirchböden vor. Mausohren wurden als Winterschläfer auch in den Höhlen des Warsteiner Raumes, sowie in Werl, festgestellt. Die Bestandsentwicklung in Teilen Westfalens ist derzeit positiv, auch wenn sich das im Kreis Soest noch nicht recht bemerkbar macht.

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Von der Bechsteinfledermaus gibt es bislang nur ein aktuelles, erst 1996 entdecktes Vorkommen im Arnsberger Wald bei Kallenhardt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie bereits in der Warsteiner Bilsteinhöhle als Winterschläfer nachgewiesen.

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)

Noch in den 1970er Jahren sehr selten, hat der Bestand der Fransenfledermaus in der Westfälischen Bucht inzwischen wieder erfreulich zugenommen. Aus dem Kreis Soest liegen aus mehreren Dörfern und von Einzelgehöften etliche Funde aus der Sommer- und der Übergangszeit der vergangenen Jahre vor. Winternachweise sind auf Grund des geringen Quartierangebotes im Kreisgebiet sehr spärlich.

Teichfledermaus (Myotis dasycneme)

Teichfledermäuse ziehen jedes Jahr von ihren Sommerkolonien in den Niederlanden (und Niedersachsen) zu geeigneten unterirdischen Winterquartieren (Höhlen, Stollen, große feuchte Keller), die z. T. im nördlichen Sauerland liegen. Auf diesem Weg dürften sie regelmäßig den Kreis Soest berühren. Allerdings ist die Zahl sicherer, besonders körperlicher Nachweise aus dem Kreisgebiet nur gering.

Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)

Verteilt über das Kreisgebiet nördlich von der Haar liegen etliche Feststellungen der Kleinen Bartfledermaus aus der warmen Jahreshälfte vor. Auch Wochenstubennachweise gibt es aus dem Kreis Soest. Als Winterschläfer wurde die Kleine Bartfledermaus (oder die Zwillingsart: Große Bartfledermaus?) bisher nur bei Warstein festgestellt.
Für die Gruppe der Bartfledermäuse haben neueste Untersuchungen ergeben, dass vielleicht mit einer weiteren Fledermausart auch in Westfalen  zu rechnen ist. Es handelt sich dabei um die Nymphenfledermaus, Myotis alcathoe.

Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)

Neben einer bereits 1974 entdeckten Wochenstube im Raum Welver (wahrscheinlich existiert sie nicht mehr auf dem über viele Jahre genutzten Dachboden und ist in ein unbekanntes Quartier umgezogen) gibt es aus Soest und Lippstadt weitere Einzelnachweise der Großen Bartfledermaus aus dem Sommerhalbjahr.

Braunes Langohr (Plecotus auritus)

Das Braune Langohr ist eine der am regelmäßigsten nachgewiesenen Fledermausarten im Kreisgebiet. In vielen Dörfern, aber auch in den Städten, vorzugsweise in der Ebene, gibt es die stets kleinen Wochenstubenkolonien der Art. Winterschlafende Tier werden gelegentlich in Kellern gefunden. Gerne nehmen Braune Langohren in der warmen Jahreszeit Vogelnist- und Fledermauskästen als Quartier an.

Graues Langohr (Plecotus austriacus)

Das Graue Langohr ist eine der seltensten Fledermäuse nicht nur im Kreis Soest, sondern in ganz Westfalen. Diese Art, die klimatisch begünstigte Gebiete liebt, wurde bisher sicher nur in drei Orten des Kreises nachgewiesen.

Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)

Bis in die 70er Jahre trat die inzwischen sehr selten gewordene Fledermaus als Winterschläfer in der Bilsteinhöhle bei Warstein auf. Auch aus Werl gibt es alte Winterbeobachtungen. Untersuchungen an Fledermäusen im Münsterland haben ergeben, dass die Art sich wahrscheinlich etwas erholt.

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Ohne Zweifel ist die oft nur 5 Gramm leichte Zwergfledermaus die häufigste Fledermausart im Kreisgebiet. Sie ist im Bergland wie in der Ebene zu Hause, kommt in Wäldern vor, und aus vielen Dörfern kennt man Wochenstuben. Ihre Kolonien befinden sich oft hinter Wand- oder Schornsteinverkleidungen oder gar in Rollladenkästen. Die vom Mai bis Juli bestehenden Wochenstubenkolonien, also Weibchengesellschaften mit ihren Jungen, können recht kopfstark sein, ohne dass sie aber irgend welchen Schaden in ihren Quartieren anrichten. In Lippstadt ist die Zwergfledermaus offenbar besonders häufig, und hier kommt es meist im August immer wieder zu Einflügen vieler Tiere etwa in Wohnungen. Die Zwergfledermaus ist die Art, die man im Sommer in der Abenddämmerung im Garten jagen sieht.

Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

Seit wenigen Jahren weiß man, dass sich in Europa unter dem Etikett "Zwergfledermaus" zwei Arten verbergen. Unsere Vermutung dass diese „neue“ Art, die Mückenfledermaus, auch im Kreis Soest vorkommen kann, wurde im Sommer 2019 durch den Fund eines Männchens betätigt. Die mit Fledermaus-Detektoren hörbar gemachten Ortungsrufe der Mückenfledermaus sind deutlich höher als die der Zwergfledermaus.

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

Mehrere Nachweise von einzelnen Rauhautfledermäusen liegen aus dem Kreisgebiet vor. Mit Fledermaus-Detektoren ist die Art jedoch zum Ende des Sommers hin und im Herbst in geeigneten Jagdgebieten immer wieder festzustellen. Bei diesen Tieren dürfte es sich überwiegend um Durchzügler oder "Wintergäste" handeln. Ein am Möhnesee gefundenes beringtes Exemplar war bei Frankfurt/Oder markiert worden.

(Großer) Abendsegler (Nyctalus noctula)

Diese große Art gehört zu den eher häufigen Fledermäusen im Kreis, auch wenn sich in den letzten Jahren ein Bestandsrückgang abzeichnet. Es liegen zahlreiche Sommerbeobachtungen nicht nur im Bereich der Lippeniederung oder den Ahsewiesen vor, sondern auch in Soest und Umgebung und entlang der Möhne kann man die früh fliegenden Abendsegler jagen sehen. In den Sommermonaten dürfte es sich hierbei überwiegend um Männchen handeln, denn die Wochenstubenkolonien finden sich erst in der Osthälfte Deutschlands. Zum Herbst hin erfolgt dann ein Zuzug von Abendseglern aus östlicher liegenden Gebieten Mitteleuropas.  In Bäumen überwinternde Abendseglergemeinschaften wurden aus Soest und Lippstadt gemeldet.

Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)

Im Arnsberger Wald bei Kallenhardt wurde 1996 der Kleine Abendsegler zum ersten mal für den Kreis Soest festgestellt. Inzwischen liegen einerseits eine Reihe Flugbeobachtungen dieser Fledermaus an verschiedenen Orten im Kreisgebiet vor, andererseits aber auch handfeste Nachweise weiterer Tiere. Diese Art, die selbst in Zeiten, die für Fledermäuse noch paradiesisch waren, aus Westfalen praktisch nicht bekannt war, nimmt in den zurückliegenden Jahrzehnten in ganz Deutschland zu.

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

Die Breitflügelfledermaus ist eine etwa starengroße Fledermaus, die die Siedlungen der Ebene mit ihren Parks liebt. Im Kreis Soest liegen Nachweise aus mehreren Städten und Dörfern vor. Ferner wurde sie auf den ehemaligen und heute noch existierenden Müllkippen, wie auch an der Möhne und auf der Haar bei Effeln (hier als Opfer unter einer Windenergieanlage) festgestellt. Vielleicht nehmen die Bestände dieser Fledermausart im Kreisgebiet ab.

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)

Nordfledermäuse sind merklich kleiner als Breitflügelfledermäuse. Früher nahm man an, dass diese seltene Art nur als Wintergast in Deutschland auftritt. Heute wissen wir, dass Nordfledermäuse in geringer Dichte im östlichen und nördlichen Sauerland vorkommen. Der Fund eines nicht ausgewachsenen Tieres in einer Ortschaft am Südrand des Arnsberger Waldes, und damit unweit der Kreisgrenze, macht es wahrscheinlich, dass die Art auch zur Fauna des Kreises Soest gehört.

Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus = V. discolor)

Fünf Funde und weitere Detektornachweise gibt es von der Zweifarbfledermaus im Kreisgebiet. Bei vier von ihnen handelt es sich wahrscheinlich um Gäste bzw. Durchzügler. Ein Weibchen aus dem Sommer 2006 allerdings ist ein Hinweis darauf, dass es zumindest in diesem Jahr eine kleine Wochenstube dieser seltenen Art im Kreisgebiet gegeben hat. Ferner ist es durchaus möglich, dass man in Oktober- oder Novembernächten balzende Zweifarbfledermaus-Männchen etwa um unsere großen und beleuchten Kirchen fliegen sieht.