Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.
Biologische Station Soest

Amphibien

Die Klasse der Amphibien (Lurche) lässt sich je nach Körperform in die Schwanzlurche (Salamander, Molche) und die Froschlurche (Frösche, Kröten, Unken) unterteilen. Allen Arten gemein ist, dass sie zu Wasser und zu Land leben. Der Landlebensraum wird überwiegend zur Überwinterung, zur Nahrungssuche und als Tagesversteck genutzt. Zur Fortpflanzung zieht es sie allerdings ins Wasser. Daher auch der wissenschaftliche Name: der griechische Begriff „amphib“ bedeutet „auf beiden Seiten lebend“. Typische Merkmale der Amphibien sind eine dünne, meist drüsenreiche Haut sowie die Metamorphose der Larven im Wasser hin zu einem Landlebewesen. Von den insgesamt 21 in Deutschland nachgewiesenen Arten kommen 15 im Kreis Soest vor. Wir möchten sie im Folgenden kurz vorstellen. Einige Amphibienarten sind schon lange im Blickfeld der ABU: so wurden in den Anfangsjahren der ABU Teiche und Tümpel entschlammt, renaturiert und neu angelegt. Die Arten wurden flächendeckend erfasst und in einem Verbreitungsatlas herausgegeben. Für einige bedrohte Arten wie die Gelbbauchunke wurden Schutzmaßnahmen entwickelt und umgesetzt. Im Zuge der Renaturierung der Lippeaue wurden viele Gewässer angelegt um Frosch und Co. zu fördern – mit Erfolg! Wer einmal Amphibien in der Natur beobachten möchte oder sich für unsere Projekte interessiert, der schaue mal in unser Veranstaltungsprogramm mit Exkursionen und Vorträgen.

Laubfrosch (Hyla arborea)

Der Laubfrosch ist wohl einer der bekanntesten Frösche. Zur Fortpflanzungszeit von Ende April bis Juni kann man in warmen Nächten die lautstarken „äpp-äpp“ Rufe der Männchen hören. Abgelaicht wird in fischfreien, sonnigen und offenen Kleingewässern. Die Art hält sich an Land hauptsächlich in Büschen und Bäumen auf. Dank der Haftscheiben an den Fingern und Zehen kann sie als einzige Art in Mitteleuropa klettern. Im Kreis Soest profitiert die Art von Renaturierungsmaßnahmen und so liegen die meisten Vorkommen in der Lippeaue. An den Aussichtspunkten in der Hellinghauser Mersch, Disselmersch, Ostmersch sowie in der Woeste und im Wulfesknapp kann man an warmen Sommerabenden den Rufen lauschen. Bei einer ehrenamtlichen Kartierungen wurden die nächtlichen Rufer im Jahr 2010 erfasst.

Grasfrosch (Rana temporaria)

Der Grasfrosch ist einer der häufigsten Amphibienarten und schreitet schon früh im Jahr, meist schon im März, zur Fortpflanzung. Die auffälligen Laichballen umfassen meist 1000-4000 Eier und werden in flache besonnte Gewässer gelegt. Nach 2-3 Monaten ist die Metamorphose abgeschlossen und die jungen Frösche verlassen das Gewässer und suchen sich im Umfeld einen geeigneten Landlebensraum, wie z.B. Wälder, Gebüsche, Stein- und Holzhaufen mit vielen Versteck-möglichkeiten. Im Kreis Soest ist er flächendeckend in Teichen und Weihern anzutreffen.

Grünfrösche (Pelophylax esculentus-Komplex)

Bei den Vertretern der Wasser- oder Grünfrösche handelt es sich um die typischen Frösche: sie sind grün gefärbt, meist im Wasser anzutreffen und lassen mit aufgeblähten Schallblasen ihr Quaken ertönen. Der Artkomplex besteht aus den beiden Arten Kleiner Wasserfrosch (Pelophylax lessonae) und Seefrosch (Pelophylax ridibundus) sowie die Hybride aus den Beiden, der Teichfrosch (Pelophylax esculentus). Die einzelnen Individuen lassen sich äußerlich schwer unterscheiden. Die Art im Kreis Soest ist schwerpunktmäßig in den Tieflagen zu finden, meist in Teichen, Weihern, Altarmen, aber auch mal im Gartenteich.

Erdkröte (Bufo bufo)

Der häufigste Vertreter der Kröten ist die Erdkröte. Mit der braungefärbten Haut ist die Art bestens getarnt. Die vielen Drüsen auf der Haut produzieren ein giftiges Sekret, welches vor Parasiten und möglichen Feinden schützt. Sie ist mit als erstes im Jahr unterwegs von ihrem Überwinterungsplatz (meist eingegraben im Boden in Wäldern) zu den Laichgewässern. Hierbei müssen an einigen Stellen gefährliche Straßen überwunden werden – aufmerksame Naturschützer errichten Krötenzäune und schützen somit die Tiere. Als Laichgewässer nutzt die Erdkröte ein breites Angebot von kleinen Tümpeln bis hin zu größeren Gewässern. Wie der Grasfrosch ist die Erdkröte im Kreis Soest weitverbreitet.

Kreuzkröte (Bufo calamita)

Ihren Namen erhielt die Kreuzkröte durch den hellgefärbten breiten Streifen entlang der Rückenmitte (quasi auf dem anatomischen Kreuz). Die Kreuzkröte ist eine Pionierart, d.h. sie kann frisch entstandene Lebensräume mit Roh- und Offenboden, Geröll- und Steinhaufen sowie flache Pfützen und Radspuren besiedeln. Hier nutzt sie Steinhaufen als Landlebensraum und laicht in kleinen Pfützen ab. Ursprünglich fand sie diese Bedingungen in dynamischen Flusslandschaften mit den Schotter- und Sandbänken. Mit dem Verschwinden dieser Lebensräume zog die Art um. Sie entwickelte sich zum Kulturfolger und findet sich heute meist in Steinbrüchen, Industriebrachen und militärischen Übungsplätzen. Im Kreis Soest bewohnt die Art die Schleddentäler sowie die Steinbrüchen der Hellwegbörde.

Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)

Die Geburtshelferkröte hat ein besonderes und namensgebendes Brutverhalten: das Weibchen legt eine Eischnur, welche das Männchen sich anschließend um die Hinterbeine wickelt. Das nun entstandene Eipaket trägt das Männchen einige Wochen mit sich herum, ehe es sich in ein Laichgewässer begibt und die schon weit entwickelten Larven schlüpfen. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen Geburtshelferkröten an Land, unter Büschen und in Geröll- und Steinhaufen, von aus sie auch ihren glöckchenhaften Ruf ertönen lassen. Als Laichgewässer werden kleine Stillgewässer, Fahrspuren und Gräben genutzt. Im Kreis Soest ist die Art in den Schleddentälern und Steinbrüchen der Hellwegbörde verbreitet.

Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)

Die Knoblauchkröte ist einer der seltensten Amphibien in NRW. Die Art bevorzugt sandige, lockere Böden, z.B. in Flussauen. Hier kann sie sich mit den kräftigen Hinterbeinen schnell vergraben (als Tagesversteck und auch zur Überwinterung). Als Laichgewässer werden kleine und mittelgroße Stillgewässer bevorzugt. Im Kreis Soest gibt es wenige, schon seit Jahrzehnten bekannte Vorkommen im Bereich der Lippeaue. Mit dem Schutzprojekt IP Sandlandschaften werden Naturschutzmaßnahmen umgesetzt und die Knoblauchkröte so gefördert.

Gelbbauchunke (Bombina variegata)

Die Gelbbauchunke wird ihrem Namen gereicht. Das gelb-schwarz marmorierte Bauchmuster warnt mögliche Fressfeinde „Vorsicht – ich bin giftig“. Die Unke ist eine Pionierart und ist im Kreis Soest noch in wenigen Restvorkommen verbreitet, wo sie auf Schutzmaßnahmen angewiesen ist. Mehr zur Biologie der Art und zum Schutzprojekt LIFE Bovar finden Sie HIER.

Teichmolch (Lissotriton vulgaris)

Von den Schwanzlurchen ist der Teichmolch am häufigsten in NRW anzutreffen, lediglich Gebiete in höheren Lagen und bei dichter Bewaldung werden gemieden. So auch im Kreis Soest, wo die Art flächendeckend verbreitet ist. Der Teichmolch besiedelt eine Vielzahl von Gewässern und ist auch in Gartenteichen häufig anzutreffen. Von allen Molchen werden Gewässer mit Fischbesatz gemieden. Die Männchen tragen einen kleinen Rückenkamm und sind am Bauch orange gefärbt, während die Weibchen braun-beige gefärbt sind.

Bergmolch (Mesotriton alpestris)

Wie der Name vermuten lässt, bevorzugt der Bergmolch das Mittelgebirge, aber ist auch im Tiefland meist in geringerer Dichte vertreten. Im Kreis Soest finden wir die Art flächendeckend. Auffallend bei beiden Geschlechtern ist die orange gefärbte Bauchseite, das Weibchen ist oberseits bräunlich gefärbt, während das Männchen blau-grau gefärbt ist. Wie der Teichmolch, besiedelt der Bergmolch eine Vielzahl von Gewässern, von der Fahrspur bis zum Weiher.

Kammmolch (Triturus cristatus)

Der Kammmolch ist der größte einheimische Molch. Beide Geschlechter sind dunkel gefärbt mit hellen Punkten. Der dunkle seitlich abgeflachte Schwanz ist körperlang und mit einem breiten, leuchtend weißen Steifen versehen.  Der Bauch ist gelb gefärbt und individuell schwarz gepunktet. Zur Fortpflanzungszeit bildet das Männchen den namengebenden gezackten Rückenkamm aus. Die Art besiedelt das Tiefland und bevorzugt größere, pflanzenreiche und besonnte Gewässer. Aufgrund seiner Seltenheit fällt der Kammmolch unter die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und ist hierdurch besonders geschützt. Die Mitgliedstaaten der EU sind dadurch verpflichtet für einen ausreichenden Schutz der Art zu sorgen. Die Art ist vor allem in der Lippeaue zu finden.

Fadenmolch (Lissotriton helveticus)

Vom Fadenmolch ist wenig bekannt. So besiedelt er fast ausschließlich die bewaldeten Mittelgebirge und fehlt im Flachland. Beide Geschlechter sind unscheinbar bräunlich gefärbt. Das Männchen bildet zur Fortpflanzungszeit den namengebenden wenige Millimeter langen Schwanzfaden aus. Im Kreis Soest kommt die Art wohl südlich des Möhnesees vor. Über aktuelle Vorkommen lässt sich nichts sagen.

Feuersalamander (Salamandra salamandra)

Eine der bekanntesten Amphiben ist sicherlich der unverwechselbare Feuersalamander. Anders als bei anderen Amphibien, legt der Feuersalamander keine Eier, sondern er setzt Larven ab. Hierbei bevorzugt er Quellbäche und Wegerinnen. Der Lebensraum der Art sind größere, feuchte und mit Laubwald bestandene Mittelgebirge. Er ist nachtaktiv und versteckt sich tagsüber meist in Totholz, Steinhaufen oder einer Erdhöhle. Im Kreis Soest ist ein Verbreitungsschwerpunkt der Arnsberger Wald, wo die Art einem auch mal tagsüber nach einem Sommerregen über den Weg laufen kann. Auch in manchen Schleddentälern der Hellwegbörde gibt es noch wenige Vorkommen. Neben Lebensraumverlust droht dem Feuersalamder seit einigen Jahren eine neue Gefahr: der tödliche Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) breitet sich in Deutschland aus. Mehrere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit dieser Gefahr und suchen nach Schutzmaßnahmen.