Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.
Biologische Station Soest

Ahsewiesen

Aktuelles

Im westlichen Teil des Kreises Soest zwischen den Ortschaften Oestinghausen, Hultrop, Wiltrop, Stocklarn, Berwicke und Nateln erstrecken sich die Ahsewiesen, ein 371 Hektar großes Naturschutzgebiet. Feuchtes und nasses Grünland, Röhrichte, Hecken und Kleingewässer prägen die Aue der Ahse und die nördlich angrenzenden Hänge. Als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet von Wat- und Wasservögeln, für Amphibien, Libellen und artenreiche Grünlandgesellschaften hat das Schutzgebiet einen besonderen Wert. 1993 wurden die Ahsewiesen in einer Größe von 371 ha als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Darüber hinaus ist es als FFH-Gebiet ausgewiesen und Teil des Vogelschutzgebietes „Lippeaue zwischen Hamm und Lippstadt mit Ahsewiesen".

Die Ahsewiesen gehören zum Netz von Feuchtwiesenschutzgebieten, das das Land Nordrhein-Westfalen 1985 einrichtete. Noch Ende der 1960er Jahre fanden in den Ahsewiesen umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen statt, die die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der nassen und sumpfigen Flächen verbessern sollte. Die Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushaltes sowie eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung der Grünländer stehen daher im Fokus der Schutzgebietsentwicklung. Seit 1986 hat das Land Nordrhein-Westfalen daher hier zusammen mit dem Kreis Soest über 160 Hektar Fläche erworben, ein Teil der Privatflächen wird über Vertragsnaturschutz extensiv bewirtschaftet. Entwässerungseinrichtungen wie Dränagen und Gräben wurden verschlossen, zahlreiche Kleingewässer angelegt. Hierbei half besonders ein von 1999 bis 2003 durchgeführtes und von der EU mitfinanziertes LIFE-Projekt: in der Aue liegende Entwässerungsgräben wurden verschlossen, ein Hochwasserschutzwall entlang der Ahse durchbrochen, so dass winterliche Hochwässer wieder in die Aue gelangen. Seitdem bilden sich im Winter und Frühjahr wieder große Wasserflächen aus, die für viele Vogelarten wie ein Magnet wirken.

In den Ahsewiesen brütet eine der größten Populationen des Großen Brachvogels im Kreis Soest sowie eine Kiebitzkolonie im Grünland.

Alljährlich werden rund 150 Vogelarten in den Ahsewiesen beobachtet, rund 80 Arten brüten hier. Neben dem Großem Brachvogel und dem Kiebitz bedeutsame Brutvogelarten sind u.a. Weißstorch, Zwergtaucher, Wasserralle, Knäkente, Krickente, Löffelente, Schnatterente, Baumfalke, Blaukehlchen, Schwarzkehlchen, Teichrohrsänger und Neuntöter. Im Winter rasten regelmäßig Blessgänse im Gebiet und seit einigen Jahren überwintert auch eine kleine Gruppe der sehr selten Zwerggans. Zu den im Winter und Frühjahr regelmäßig zu beobachtenden Rastvögeln gehören Silberreiher, bis zu 11 Entenarten wie Spieß-, Pfeif-, Löffel- und Krickente sowie bis zu 18 Watvogelarten wie Bekassine, Kampfläufer, Bruchwasserläufer, Grünschenkel, Rotschenkel und Dunkler Wasserläufer. Im Sommer trocknet das Gebiet meistens aus, so dass für den Wegzug der Wat- und Wasservögel keine geeigneten Bedingungen herrschen. Besonders beeindruckend sind im Frühjahr die großen Ansammlungen von Kranichen, die hier auf dem Zug rasten. Meistens brechen sie schon bei Sonnenaufgang wieder auf.

In warmen, windstillen Frühjahrsabenden lässt der Laubfrosch aus allen Gewässern seinen typischen "räpp"-Ruf hören. In einigen Gewässern kommt auch der Kammmolch vor. In den artenreichen Feuchtwiesen lebt die seltene Sumpfschrecke.

Die Ansammlungen rastender und überwinternder Vögel, die Großen Brachvögel mit ihren beeindruckenden Revierflügen, die artenreichen Wiesen, aber auch die von Verkehrslärm verschonte, teils reich strukturierte Landschaft machen den besonderen Reiz des Gebietes aus. Nicht nur Vogelkundler besuchen regelmäßig dieses Naturschutzgebiet, sondern auch viele Spaziergänger und Radfahrer. Die Ahsewiesen sind mit einer guten Besucherinfrastruktur ausgerüstet. Eine 9 m hoher Aussichtsturm erlaubt einen guten Überblick über die Naturschutzflächen, aus einer überdachten Beobachtungshütte lassen sich die Vögel gut beobachten.


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