Wachtelkönigmonitoring
Veröffentlicht amDer Wachtelkönig gehört zu den seltenen und schwer zu beobachtenden Vogelarten in NRW. Sein im Frühsommernächten zu hörender charakteristischer „crex-crex“-Gesang ist oft das einzige Merkmal, um die nachtaktiven und versteckt lebenden Vögel nachzuweisen. Wachtelkönige treffen meist erst spät im Mai oder Juni in NRW ein. Jetzt im September sind sie bereits auf dem Rückzug in ihre afrikanischen Winterquartiere.
In NRW findet aktuell in 33 Gebieten ein regelmäßiges Monitoring der Wachtelkönigbestände im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (kurz MsB), statt. Diese verteilen sich über die Schwerpunktvorkommen am Niederrhein, der Lippe- und Weseraue und der Hellwegbörde, aber auch das Münsterland und die Mittelgebirge sind vertreten. In diesen 33 bearbeiteten Gebieten wurden im Jahr 2026 18 Rufer festgestellt, im Vorjahr waren es 26. Dieser Unterschied bewegt sich aber im Rahmen der jährlich starken Schwankungen, die sich aus dem opportunistischen Ansiedlungsverhalten der Art ergeben. So lassen vorläufige Trendberechnungen für NRW aus den vorliegenden Datenreihen für den Zeitraum 2017 bis 2026 bei arttypischen Schwankungen keine eindeutigen Bestandsveränderungen erkennen. Aus diesem Grund sind längere Datenreihen erforderlich, um verlässliche Aussagen über die Entwicklung der Bestände zu treffen.
Die meisten Vorkommen des Wachtelkönigs befinden sich in ausgewiesenen Vogelschutzgebieten. Die größte Zahl rufender Wachtelkönige wurde im Jahr 2026 mit vier bzw. sieben Rufern im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde durch die ABU festgestellt. Anders als in anderen Regionen brüten die Vögel hier in der offenen Agrarlandschaft, in Getreidefeldern und Brachen. In den Flussniederungen der Lippeaue mit den Ahsewiesen und am Unteren Niederrhein werden überwiegend feuchte Wiesen und Weiden sowie Röhrichte und Hochstaudenfluren besiedelt. Als Bodenbrüter benötigt der Wachtelkönig eine ausreichend hohe Vegetation als Deckung. Gleichzeitig muss der Bewuchs jedoch locker genug sein, damit sich die Altvögel und Küken am Boden fortbewegen können. Die größte Bedrohung für den Wachtelkönig ist der Verlust von naturnahen Lebensräumen durch Entwässerung sowie die intensivierte Landwirtschaft. Da sich die Mahd- und Ernteperioden mit der langen Brutzeit überschneiden, werden Nester, Jungvögel und brütende Weibchen durch Mähmaschinen getötet. Daher gibt es spezielle Schutzprogramme, bei denen Landwirte zur wachtelkönigfreundlichen Anpassung der Mahdtermine und -techniken angehalten werden.
Am Wachtelkönigmonitoring im Rahmen des MsB können sich alle Vogelbeobachter:innen beteiligen, die bereit sind, auch einmal eine ganze Frühsommernacht draußen unterwegs zu sein. Dabei kommen oft faszinierende Landschaftseindrücke und Begegnungen mit anderen nachtaktiven Vogelarten wie Eulen, Wachteln, Rallen, Singvögeln und anderen Wildtieren zu Stande.
Die Daten aus dem Wachtelkönigmonitoring und alle bei ornitho.de bzw. NaturaList gemeldeten Feststellungen fließen in das bis 2029 laufende bundesweite Atlasprojekt ADEBAR 2 ein. Dieses soll zum zweiten Mal einen Gesamtüberblick über die Verbreitung und Bestandssituation der Brutvögel in Deutschland und NRW geben. Durch Vergleiche mit dem ersten Brutvogelatlas aus den Jahren 2005 bis 2009 können Veränderungen der Vogelwelt in Zeiten des globalen Wandels dokumentiert und analysiert werden. Es wird daher eine unerlässliche Grundlage für Vogelkunde und Vogelschutz darstellen. Auch hier können alle Vogelkundler:innen in NRW durch zahlreiche Meldungen von Brutzeitbeobachtungen oder die Bearbeitung von Quadranten mithelfen.
Machen sie mit! Mein Dank geht an alle, die sich am Vogelmonitoring in NRW beteiligen. Fragen zum Wachtelkönig-Monitoring und zum Atlasprojekt ADEBAR 2 beantwortet Ralf Joest: joest@nw-ornithologen.de
Ralf Joest, Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft e.V