Rekordjahr für die Wiesenweihe
Veröffentlicht amRekordjahr für die Wiesenweihe in der Hellwegbörde
Die Weihensaison 2026 war in der Hellwegbörde in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Bei der Wiesenweihe wurden im Haupterfassungsgebiet 37 Erstbruten festgestellt. Hinzu kamen fünf weitere Erstbruten unmittelbar angrenzend im Kreis Warendorf sowie dort eine Ersatzbrut nach dem Verlust einer Erstbrut. Damit wurden insgesamt 42 Erstbruten und eine Ersatzbrut erfasst.
Besonders herausragend war der Bruterfolg: 122 junge Wiesenweihen wurden flügge, so viele wie noch nie zuvor in einem Jahr. Davon entfielen 107 Jungvögel auf das Haupterfassungsgebiet und 15 auf die angrenzenden Vorkommen im Kreis Warendorf. Dies entspricht durchschnittlich 2,9 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar. Bei vier Bruten wurden sogar jeweils fünf Jungvögel flügge. Zum Vergleich: 2025 wurden 25 Wiesenweihenpaare und insgesamt 51 flügge Jungvögel erfasst.
Sehr gutes Mäusejahr und günstige Jagdbedingungen
Ein wichtiger Faktor für das außergewöhnliche Brutjahr dürfte das sehr gute Nahrungsangebot gewesen sein. Standardisierte Mäuselocherfassungen auf 142 Stoppelfeldern von Wintergerste und Winterweizen im Juli und August ergaben vierfach höhere Dichten als im Vorjahr. Besonders hohe Werte wurden in den Feldfluren Werler Vöhde, Ruhne-Vierhausen, Weslarn, Völlinghausen, Waldhausen, Menzel, Oestereiden-Hoinkhausen und Langeneicke-Störmede festgestellt. Neben der hohen Mäusedichte spielte auch die Erreichbarkeit der Beutetiere eine wichtige Rolle. Durch die frühe Mahd von Feldgras und Grünroggen entstanden bereits ab Mitte April bis Anfang Mai offene Jagdflächen. Das dicht gewachsene Wintergetreide bot dagegen zunächst nur wenige Möglichkeiten zur Mäusejagd.
Die Getreideernte setzte bereits am 26. Juni ein und verlief aufgrund der trockenwarmen Witterung sehr zügig. In den Tieflagen waren am 9. Juli bereits mehr als 90 Prozent der Gerstenflächen und am 24. Juli mehr als die Hälfte der Weizenflächen abgeerntet. Dadurch entstanden erneut großflächig gute Jagdmöglichkeiten. Besonders im Raum Langeneicke trafen hohe Mäusebestände, zahlreiche Wiesenweihenbruten und ein sehr guter Bruterfolg zusammen.
Mehrere Brutgebiete stark besetzt
Die Wiesenweihen verteilten sich 2026 auf mehrere größere Schwerpunkte. Ein wichtiges Brutgebiet blieb der östliche Bereich um Geseke, Langeneicke und Salzkotten. Ein weiterer Schwerpunkt lag im Raum Weslarn, Bettinghausen, Völlinghausen und Lohne. Auch Westereiden und Oestereiden entwickelten sich auffällig. Eine Besonderheit wurde bei Oestereiden beobachtet: Drei Wiesenweihenpaare brüteten kolonieartig im selben Getreidefeld. Alle drei Bruten waren erfolgreich und brachten jeweils drei Jungvögel hervor. Damit wurden allein aus diesem Feld neun Jungvögel flügge. Im Raum Borgeln wurden vier Brutpaare festgestellt. Auch die nördlichen Bereiche entlang der Kreisgrenzen gewinnen weiter an Bedeutung. Erstmals seit vielen Jahren wurden zudem wieder zwei Brutpaare im Kreis Unna festgestellt. Ein weiteres Paar siedelte bei Sönnern knapp hinter der Kreisgrenze in Richtung Hamm.
Intensive Schutzmaßnahmen
Neben den günstigen Nahrungsbedingungen trugen die Schutzmaßnahmen zum Erfolg bei. Bei nur sechs der insgesamt 43 Brutversuche der Wiesenweihe wurde Prädation festgestellt. Das entspricht rund 14 Prozent. 2025 hatte die Prädationsrate noch bei 32 Prozent gelegen. Noch nie zuvor waren gleichzeitig so viele Schutzzäune im Einsatz. Sämtliche verfügbaren Gitterzäune und Elektroschutzzäune wurden genutzt, sodass die meisten gefährdeten Wiesenweihennester gegen Bodenprädatoren geschützt werden konnten. Die Wiesenweihe brütete dabei fast ausschließlich auf landwirtschaftlichen Flächen. 59 Prozent der Bruten lagen in Gerste, 24 Prozent in Weizen und 11 Prozent in Triticale.
Kornweihe erneut erfolgreich
Ein besonderer Höhepunkt war die erfolgreiche Brut der Kornweihe, der seltenste Greifvogel Deutschlands. Bei Völlinghausen brütete ein Paar in einem Gerstenfeld. Dank der engen Zusammenarbeit mit dem Bewirtschafter konnte das Nest zunächst mit einem Elektroschutzzaun gesichert werden. Vor der Ernte wurde zusätzlich eine Ernteschutzzone eingerichtet. Drei junge Kornweihen wurden flügge. Bereits 2024 hatte nach 14 Jahren erstmals wieder ein Kornweihenpaar in der Hellwegbörde gebrütet. 2026 gelang nun innerhalb von drei Jahren die zweite erfolgreiche Brut. Fast zeitgleich wurde auch in der Jülich-Zülpicher Börde im Rhein-Erft-Kreis eine erfolgreiche Kornweihenbrut festgestellt.
Auch zahlreiche Rohrweihenbruten
Bei der Rohrweihe wurden bislang 34 Bruten in landwirtschaftlichen Kulturen mit 54 flüggen Jungvögeln erfasst. Die Naturbruten in Röhrichten, Feuchtgebieten und anderen geeigneten Lebensräumen werden noch gesondert ausgewertet. Die Zahl von 34 Bruten stellt deshalb nicht den gesamten Rohrweihenbestand der Hellwegbörde dar. Auffällig waren die deutlich höheren Prädationsverluste. Bei 14 der 34 erfassten Bruten in landwirtschaftlichen Kulturen gingen Bruten durch Prädation verloren. Das entspricht rund 41 Prozent. Der Schutz ist bei der Rohrweihe schwieriger, da sie am Nest empfindlicher auf Störungen reagiert. Gitterzäune können deshalb in der Regel erst eingesetzt werden, wenn die Jungvögel etwa zehn Tage alt sind.
Gemeinsam für den Weihenschutz
Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ist. Bei gefährdeten Nestern werden in Abstimmung mit den Landwirten in der Regel etwa 50 mal 50 Meter große Ernteschutzzonen eingerichtet. Wo es notwendig und möglich ist, kommen zusätzlich Gitterzäune oder Elektroschutzzäune zum Einsatz. Ein besonderer Dank gilt allen beteiligten Landwirten. Ohne ihre Unterstützung wäre der Schutz dieser seltenen Greifvögel in der Hellwegbörde nicht möglich. Ebenso danken wir allen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern im Weihenschutz, den beteiligten Behörden und der Landwirtschaftskammer. Für die Betreuung der grenznahen Brutvorkommen im Kreis Warendorf gilt unser Dank außerdem den Kollegen der NABU Naturschutzstation Münsterland für die erneut gute und unkomplizierte Zusammenarbeit.
Die 122 flüggen Wiesenweihen sind ein historischer Erfolg. Dennoch wird nur ein Teil dieser Jungvögel die ersten Lebensjahre überstehen und später selbst zur Brutpopulation beitragen. Umso wichtiger bleibt der Schutz jedes einzelnen Nestes.
Das Rekordjahr 2026 zeigt, was günstige natürliche Bedingungen, ein gutes Nahrungsangebot, intensive Schutzmaßnahmen und die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam erreichen können. Jeder Jungvogel und jede erfolgreich geschützte Brut zählt.
Wenn Sie Interesse haben, lesen Sie gerne den vollständigen Bericht.