Neues vom Biber
Veröffentlicht amUnbekannte zerstörten vor wenigen Tagen einen Biberdamm im Erwitter Mühlbach bei Bad Westernkotten, offenbar mit einem Kleinbagger. Der Biber hatte den Mühlenbach aufgestaut; dies vernässte eine Fläche der öffentlichen Hand, die für eine Renaturierungsmaßnahme im Herbst dieses Jahres vorgesehen ist. Stadt Erwitte und Wasserverband Obere Lippe wollten den Damm erhalten. Ob der Verursacher des Eingriffs gefunden werden kann, ist ungewiss, was er erreichen wollte, ist ein Rätsel.
Biber stauen Gewässer auf, um eine ausreichende Wassertiefe zum Schwimmen und Tauchen zu haben. Diese Tätigkeit hält Wasser in der Landschaft zurück – Stichwort „Schwammlandschaft“ - und reichert das Grundwasser an. Es entstehen Lebensräume für Libellen, Frösche, Fische und viele weitere Arten. Der Biber ist ein „Bio-Ingenieur“. Er staut aber nur kleine Gewässer an; Lippe und Ruhr beispielsweise sind viel zu groß. Hier sind Dämme für die Biber nicht nötig und würden zudem nicht lange halten.
Aber die Tätigkeit des Bibers entzückt nicht nur Naturfreunde, sondern kann Landwirte und andere Menschen auch verärgern. Geflutete Bereiche von Feldern oder verstopfte Brückendurchlässe können Probleme verursachen. In solchen Fällen versucht die ABU gemeinsam mit Kreis Soest, Wasserverbänden und betroffenen Anliegern Lösungen zu finden, was bisher immer gelang. Die Möglichkeiten reichen vom Belassen eines Dammes an unproblematischen Stellen über den Einbau einer Dammdrainage („Bibertäuscher“) zur Absenkung des Wasserspiegels bis in sehr kritischen Fällen zum Entfernen eines Dammes, dies aber nur außerhalb der Fortpflanzungszeit.
Wir unterscheiden zwischen langfristig bestehenden Dämmen an Wohnstätten und „Erntedämmen“, die mitunter zum Erreichen bestimmter Feldfrüchte angelegt werden. Dämme am Wohnort werden stets unterhalten und bestehen das ganze Jahr über, „Erntedämme“ bauen die Tiere meist im Spätsommer und lassen sie im Herbst wieder verfallen.
Kartierungen der ABU zeigen, dass im Flachland des Kreises Soest mittlerweile Lippe, Glenne und das Gieselersystem vom Biber besiedelt sind. Jungtiere, die die Familie spätestens in ihrem dritten Lebensjahr verlassen müssen, suchen neue Reviere. Sie suchen auch in kleinen Bächen und Gräben mit geringem Gefälle und bauen dort Dämme.
Im Süden des Kreises Soest gibt es Biber am Möhnesee und am Möhnefluss, aber der Bestand ist noch nicht groß. Heve und die anderen Bäche im Arnsberger Wald sind noch nicht besiedelt, dabei wäre hier die Tätigkeit des Bibers für das Schwammwaldprojekt sehr förderlich und würde zudem wahrscheinlich kaum Probleme verursachen.
Wer einen Biberdamm im Kreisgebiet findet, kann ihn gern bei der ABU melden.