Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.
Biologische Station Soest

Die Kiebitze kehren zurück

Der Kiebitz kehrt im März aus seinen Überwinterungsgebieten in Westfrankreich, Spanien und Portugal in seine Brutgebiete zurück. Der Kreis Soest gehört zu seinen traditionellen Brutgebieten. Der durch seinen typischen Balzflug in unserer Feldflur auffällige Kiebitz brütet von März bis Mai vorzugsweise auf noch nicht bestellten Äckern und Feuchtwiesen mit Offenboden. Die vier Eier legt er in eine kleine Mulde auf dem Boden.

Weiterer Rückgang des Kiebitzes im Kreis Soest - 30% Verlust in den letzten drei Jahren

Eine im letzten Jahr von der ABU durchgeführte kreisweite Kartierung des Kiebitzes ergab einen Brutbestand von nur noch maximal 308 Revierpaaren. In 2016 waren es noch 455 Paare. Der Rückgang um über 30% ist dramatisch. An der Kartierung beteiligten sich rund 20 ehrenamtliche Naturschützer.

Bei der ABU hat die Zählung von brütenden Kiebitzen im Kreis Soest eine lange, bis 1972 zurückreichende Tradition. Der Bestand wurde in regelmäßigen Abständen kreisweit erfasst. Die erste quantitative Zählung im Jahr 1997 erbrachte noch über 1100 Paare! Seitdem ist ein kontinuierlicher Rückgang des Brutbestandes festzustellen, heute sind es nur noch 28 % des Bestandes von 1997. Besorgniserregend ist auch die geringe Anzahl an Kiebitzkolonien mit mehreren Paaren nah beieinander: Diese können sich besser gegen Feinde verteidigen. In der Hälfte der Vorkommen handelt es sich aber nur noch um Einzelbruten. Kolonien mit 20 Brutpaaren gehören schon längst der Vergangenheit an. Im letzten Jahr wurde nur ein Acker mit 10 Brutpaaren registriert.

Landwirtschaft und Naturschutz engagieren sich gemeinsam für den Kiebitz

Im Kreis Soest brüten rund 20% der Brutpaare auf meist in Naturschutzgebieten gelegenen Feuchtwiesen, die für Wiesenbrüter wie Kiebitz und Brachvogel entwickelt und gemanagt werden. Ein kleiner Teil brütet auf Brachen, die von engagierten Landwirten im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen angelegt wurden.

Die meisten Kiebitze (62 %) brüten bei uns auf noch nicht bestellten Äckern. Sie beginnen mit der Brut Ende März. Bei der Feldbestellung besteht die Gefahr, dass Nester unabsichtlich zerstört werden. Der Schutz der Gelege ist daher enorm wichtig! Um die Gelege der Kiebitze zu schützen, arbeiten im Kreis Soest seit einigen Jahren die Landwirte, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, die Landwirtschaftskammer, die Untere Naturschutzbehörde und die Biologische Station der ABU zusammen. Die Nester werden beim Gelegeschutz von den Mitarbeitern der ABU mit Stäben markiert, damit die Landwirte sie bei der Bodenbearbeitung aussparen und die Kiebitze weiter brüten können. Aus rund 2/3 der Gelege schlüpften Küken.

Im letzten Jahr konnten so 90 Nester geschützt werden. Das ist rund die Hälfte der auf Äckern und Stoppelfeldern festgestellten Kiebitzpaare. Für die Aufzucht der Jungen fehlt es in unserer Agrarlandschaft oftmals an Nahrung: Insekten und andere Bodenlebewesen sind rar. Durch das Anlegen von sogenannten Feldvogelinseln werden Nahrungs- und Schutzflächen für die Jungvögel geschaffen. Feldvogelinseln sind 0,5 bis 1 Hektar große Aussparungen auf dem Acker, die als einjährige Brachen liegen bleiben. Diese Feldvogelinseln werden über die Landesförderung „Feldvogelinsel im Acker“ gefördert. Sie sind viel nahrungsreicher als das Umland und die Kiebitze können oft noch auf diesen Flächen beobachtet werden bis die Küken flügge sind. Wie für die Naturschützer so auch für die Landwirte ist es schön zu sehen, wie die Küken vor Ort groß werden.

Mit der Rückkehr der Vögel beginnt die Saison für die Naturschützer schon bald. Die Mitarbeiter der ABU hoffen, dass auch in diesem Jahr viele Gelege des Kiebitzes geschützt werden können. Werden balzende oder brütende Kiebitze auf unbestellten Äckern beobachtet, bitten Sie um Kontaktaufnahme mit den Ansprechpartnern der ABU, Christian Härting und Natalia Jaworski (02921-9698780).

Landwirte, die Feldvogelinseln anlegen möchten, können sich an Marko Kneisz von der Unteren Naturschutzbehörde wenden (02921-302544 - Email an Herrn Kneisz).

 

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