Nachrichten 2016

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Tragen Totalherbizide und Zwischenfruchtanbau zum Rückgang brütender Kiebitze bei?

Wenn man zur Zeit durch die Hellwegbörden fährt, sieht man viele Äcker mit totgespritzter Vegetation. Es scheinen immer mehr Äcker hiermit besprüht zu werden. Hauptsächlich betroffen sind Felder mit Zwischenfrüchten, meist mit Ackersenf als dominierender Pflanze. Das dürfte daran liegen, dass der Zwischenfruchtanbau insgesamt zugenommen hat, v.a. zur Erfüllung der sogenannten Greeningauflagen (für Betriebe mit mehr als 15 ha Agrarfläche). Zudem habe ich den Eindruck, dass ein zunehmend größerer Anteil der Zwischenfruchtflächen mit dem glyphosathaltigen Herbizid "behandelt" wird.
Totgespritzte Zwischenfruchtfläche mit Ackersenf bei Heppen (8.4.2016, H. Illner)

Totalherbizide werden derzeit vor allem auf Zwischenfruchtflächen, auf denen bisher keine Bearbeitung in Form von Abschlegeln oder Grubbern stattfand, angewandt. Sie dürfen auch auf den Greening-Zwischenfruchtflächen schon ab dem 15.2. aufgebracht werden. Viele dieser Flächen werden wahrscheinlich bis zur Saatbettbereitung für die Maisaussaat so liegen bleiben. Deshalb fallen diese zu wenig offenen Äcker auch als Brut- und Nahrungsfläche für den Kiebitz zumindest für die populationsbiologisch wichtigsten Erstgelege weitgehend aus. Da aber ansonsten fast nur Felder mit Wintergetreide vorhanden sind, die für brutwillige Kiebitze meist schon zu hoch gewachsen sind, ergibt sich ein großer Mangel an geeigneten Brutflächen.

Außerdem wird mit dem derart praktizierten Zwischenfruchtanbau das Angebot offener Nahrungsflächen für den Kiebitz immer kleiner und das in einer Phase, in der viel Energie für die Eiproduktion benötigt wird. Die Zwischenfruchtflächen, die schon im März abgeschlegelt oder gegrubbert werden, bieten zwar Nahrungs- und potenzielle Brutflächen, aber frühe Kiebitz-Gelege werden hier meist durch nachfolgende Bearbeitungsschritte zerstört. Diese Flächen stellen also dann eine ökologische Falle dar.

So dürfte der zunehmende Zwischenfruchtanbau mit der derzeitigen Bearbeitungspraxis vor der Maisbestellung den Rückgang der Brutbestände des Kiebitz beschleunigen. Eine Lösung wäre, den Totalherbizideeinsatz auf den Greening-Zwischenfruchtflächen zumindest bis Ende April für Maisaussaatflächen zu verbieten und eine Bearbeitungsruhe vom 15. März bis 25. April vorzuschreiben (mit Ausnahmeregelungen für ausdauernd zu nasse Bodenverhältnisse). Damit würde automatisch der Anreiz geschaffen, die Zwischenfruchtflächen schon vor dem 15. März zumindest abzuschlegeln bzw. einen flachen Bodenbearbeitung zu unterziehen.

Mit den Beständen dieser Feldvogelart geht es in unserem Raum in den letzten Jahren rapide bergab (Kreis Soest, Raum Werl 2012, 2016).
Weitere Kritikpunkte aus Naturschutzsicht an dem Totalherbizideinsatz finden sich hier (H. Illner).

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