Nachrichten 2014

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Problematischer Einsatz von Totalherbiziden nimmt weiter zu

Verschiedentlich wurde an dieser Stelle über die Schäden am Naturhaushalt durch den vermehrten Einsatz von Totalherbiziden in der Hellwegbörde berichtet:
- Das Abtöten auch seltener Acker-Wildkräuter, die zudem nicht mehr zur Samenreife kommen, mit der Konsequenz, dass auch die Lebensgrundlage der an diese Pflanzen angepassten Insekten vernichtet wird, was wiederum die Verminderung der Insekten- und Samennahrung für Feldvogelarten wie Rebhuhn, Grauammer, Feldlerche, Turteltaube und Bluthänfling zur Folge hat.
- Das absichtliche oder unabsichtliche Zerstören von Saumvegetation, das zudem oft die Ausbreitung von Problemkräutern wie Taube Trespe begünstigt, was wiederum oft verstärkten Herbizideinsatz bedeutet.
- Die Umwandlung von Ackerland in Weihnachtsbaum-Kulturen, deren Bodenvegetation regelmäßig mit Totalherbiziden abgetötet wird.


In Südengland ist die Behandlung von Stoppelfeldern mit Glyphosat schon seit Jahrzehnten Standard (Vortrag von G.R. Potts auf der IUGB-Tagung im August 2005 in Hannover), wo allerdings nach einem aktuellen Bericht in Topagrar inzwischen die Ernteerträge bei Getreide trotz (besser wegen?) sehr hoher Bewirtschaftungsintensität stagnieren oder sogar zurückgehen.

Mit der pfluglosen Bodenbearbeitung vor etwa 20 Jahren setzte die Anwendung von "Pflanzenschutzmitteln" mit dem Wirkstoff Glyphosat verstärkt auch bei uns ein. Seit etwa einem Jahrzehnt nimmt nach meinen Beobachtungen die Ausbringung insgesamt auf Stoppelfeldern und Brachen, gerade auch im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde, weiter zu, vor allem im Herbst auf (Raps-)Stoppelfeldern und im Frühjahr vor der Maisaussaat. In den Jahren 2008 und 2009 erfasste ich im Zeitraum 30.8 bis 5.9 auf Fahrten durch die Hellwegbörde mit Haarstrang den Zustand der Äcker nach der Ernte. Der weitaus größte Teil (87% von 761 ausgezählten Äckern) war schon bearbeitet worden (gegrubbert, gepflügt oder schon neu bestellt). Nur noch 13% aller Felder lagen als Stoppelfeld ohne Bodenbearbeitung vor: Von den 29 Rapsstoppelfeldern waren 59% und von 67 sonstigen Getreide-Stoppelfeldern waren 13% mit einem Totalherbizid behandelt worden, also komplett braun. Wieviele der schon bearbeiteten Stoppelfelder ebenfalls mit Totalherbiziden behandelt worden waren, ließ sich bei diesen einmaligen Zählungen nicht feststellen.

Seit einigen Jahren werden Totalherbizide vereinzelt auch schon vor der Getreideernte (zur Ernte-Beschleunigung oder -Vereinfachung) eingesetzt, was es bei der Kartoffelernte schon länger gibt. Zu den Effekten von Glyphosat und weiteren Bioziden auf Vögel und Säugetiere gibt es eine detaillierte und aktuelle Auswertung im Auftrag des Umweltbundesamtes (Downloadlink). Lesenswert ist auch die vom Bundesumweltministerium geförderte Publikation "Was sind unnötige Pestizidanwendungen im Pflanzenschutz?" (Downloadlink)

In diesem Frühjahr waren besonders viele Äcker mit abgetöteter brauner Vegetation in der Hellwegbörde zu sehen. Nicht nur Stoppelfelder gehörten dazu, sondern auch Grünroggenschläge (eigentlich für die Beschickung von Biogasanlagen gedacht), die durch Frost geschädigt waren oder Ackersenf, der nicht abgefroren war. Diese Flächen stellen z.B. für Kiebitze oftmals eine ökologische Falle dar, denn sie wirken auf brutwillige Kiebitze besonders anziehend. Früh gezeitigte Kiebitzgelege werden dort aber meist durch eine der folgenden, sich hinziehenden Bearbeitungsgänge zerstört.
Wie in den Vorjahren waren vereinzelt widerrechtliche "Behandlungen" von Säumen mit einem Totalherbizid zu sehen. Die angefügten Fotodokumente aus diesem Jahr entstanden im oder am Rand des Vogelschutzgebietes Hellwegbörde (H. Illner).
Kiebitz auf einem mit Totalherbizid behandelten Acker südwestlich von Ebbinghausen (13. April 2014)Mit Totalherbizid behandelte Äcker und Grabenvegetation (13.4.2014, H. Illner)01Teile vom Grünen Weg mit Totalherbizid behandelt (5.4.2014, H. Illner)Mit Totalherbizid behandelte Teile vom Grünen Weg eine Woche später überpflügt  (12.4.2014, H. Illner)Wegsaum mit Totalherbizid behandelt (5.4.2014, H.Illner)Wegsaum mit Totalherbizid behandelt (22.4.2014, H. Illner)Mit Totalherbizid behandelter Grasweg (29.4.2014, H. Illner)Mit Totalherbizid behandeltes Getreidefeld bei Drueggelte (2.5.2014, H. Illner)Mit Totalherbizid behandeltes Stoppelfeld und Ränder des Wegsaums (2.5.2014, H. Illner)Mit Totalherbizid Behandelter Wegrand (30.5.2014)

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