Nachrichten 2012

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Dramatischer Bestandsrückgang des Kiebitzes im Raum Werl

In diesem Jahr erfassen Ornithologen erneut den Brutbestand des Kiebitzes im Kreis Soest. Meine gerade abgeschlossene Kartierung des gesamten MTB 4413 Werl (rund 125 km²) im westlichen Kreis Soest ergab nur noch (10 bis) 12 Brut- bzw. Revierpaare in nur noch 6 besetzten Minutenfeldern. Die Einzelvorkommen sind jeweils mehrere Kilometer voneinander entfernt. In diesem Jahr waren es 94 % weniger Kiebitzpaare als im Jahr 1979, als ich erstmals den Brutbestand im MTB Werl quantitativ erfasste und 179 Brut- bzw. Revierpaare zählte. Die Bestandszahlen gingen in den Jahren dazwischen kontinuierlich zurück. So kartierte ich 128 Kiebitzpaare  im Jahr 1987, 100 im Jahr 1997 und 62 im Jahr 2005. Es ist zu befürchten, dass der Charaktervogel Kiebitz in den nächsten Jahren auf dem MTB Werl aussterben wird, wenn keine gezielten Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Die meisten Brutvorkommen des Kiebitzes auf dem MTB Werl lagen im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde.


Für das Erlöschen einiger Teilbestände sind einige Ursachen augenscheinlich: Dazu gehören die Errichtung landwirtschaftlicher Höfe oder anderer Gebäude in der offenen Feldflur, die Errichtung von Windparks, die Umwandlung von Ackerland in Baumschulen sowie die Umstellung der Bewirtschaftung (z.B. in einem Betrieb der Austausch des pfluglos bestellten Hafers in der Fruchtfolge durch Winterweizen oder die Zunahme des Gemüseanbaus unter Folie). Erfassungen auf Teilflächen lassen vermuten, dass besonders in den letzten beiden Jahrzehnten der Bruterfolg stark zurückgegangen ist, was an den vielen durch landwirtschaftliche Arbeiten zerstörten Nestern vor allem der Erstbruten deutlich wurde, was ich besonders auf Maisanbauflächen beobachtete. Einige langfristige Studien in Westeuropa zeigten, dass eine Verminderung des Bruterfolgs und der Überlebensrate der  Kiebitze in den ersten Lebenswochen wahrscheinlich eine Hauptrückgangsursache ist, während Europäische Ringfundanalysen keine generell erhöhte Altvogelsterblichkeit beim Kiebitz nachwiesen. Neben zunehmenden Verlusten durch landwirtschaftliche Arbeiten spielt wohl ein Rückgang des Nahrungsangebotes durch Intensivierung der Landwirtschaft eine entscheidende Rolle für die Abnahme des Bruterfolgs und damit für die langfristige Bestandsabnahme. Nur kurzzeitig konnten einige Brutvorkommen im MTB Werl von der Anlage von Schwarzbrachestreifen (im Modellvorhaben „Extensivierte Ackerstreifen im Kreis Soest“ von 2003 bis 2005, Beitrag hier) und von pfluglos bestellten Ackerbohnen (vor allem Versuchsfelder der FH Soest bei Merklingsen von etwa 2005 bis 2008) profitieren, siehe dazu auch ein Beitrag im Landwirtschaftlichen Wochenblatt aus dem Jahr 2008. Der Anbau von Ackerbohnen und anderen Leguminosen ist trotz Fördermöglichkeit (Programm "Vielfältige Fruchtfolgen") flächenmäßig unbedeutend und hat sogar wieder abgenommen, weil mit dem Getreideanbau wegen der hohen Weltmarktpreise deutlich höhere Erlöse erzielt werden können. Weiteres zur Bestandssituation auf dem Haarstrang im Kreis Soest hier (H. Illner).

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