Nachrichten 2011

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„Die agrarpolitischen Herausforderungen unserer Zeit und unsere Antworten darauf“

Unter dieser Überschrift hatte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) NRW e.V. zum offenen Teil ihrer Jahrestagung am 10. Februar 2011 auf Haus Düsse eingeladen. Die AbL ist nach eigener Aussage „eine bäuerliche Interessenvertretung, die für eine nachhaltige Landwirtschaft im Sinne einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft sowie für entsprechende Rahmenbedingungen eintritt.“ Sie gibt die Monatszeitung „Unabhängige Bauernstimme“ und das Jahrbuch „Der Kritische Agrarbericht“ heraus.
Rund 50 Zuhörer verfolgten den einleitenden Vortrag von Umweltminister Johannes Remmel. Er sah die drei größten globalen Herausforderungen im Klimaschutz, im Arten- und Naturschutz und in der Ernährung der steigenden Weltbevölkerung. Auf NRW bezogen sah er eine vorrangige Herausforderung in einer ökologischer ausgerichteten Landwirtschaft, die bäuerliche Existenzen sichert.

Zu Letzterem gehört auch die Ausbildung einer Regionalmarke für landwirtschaftliche Produkte in NRW, das wie Bayern gentechnikfrei werden soll (siehe NRW-Landtagsbeschluss vom 19. Jan. 2011). Er ging auch kurz auf die zwei Themen ein, die gerade in der Hellwegbörde große Sorge bereiten: den zunehmenden Maisanbau durch den Biogasboom und den zunehmenden Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen (derzeit 15 ha pro Tag in NRW). Bei den Biogasanlagen müßte das Erneuerbaren Energie-Gesetz korrigiert werden, mehrgliedrige Fruchtfolgen sollten vorgeschrieben und die Vergärung von Reststoffen z.B. aus der Grünen Tonne vorangetrieben werden. Der Umweltminster will die Industrie verpflichten, Mittel in einen Fonds für die Sanierung von belasteten Industriebrachen einzuzahlen, damit diese für neue Gewerbeflächen genutzt werden können. Die Verkehrsinfrastruktur solle nicht weiter ausgebaut werden, und der Siedlungsbau solle sich bei abnehmender Bevölkerung auf die vorhandenen Ortslagen beschränken. Der Erhalt des Freiraums wäre gerade angesichts des höheren Flächenbedarfs auszuweitender ökologischer Landbauverfahren und für ökologische Ausgleichsflächen notwendig.
Dann wurde das AbL-Projekt "Vom Acker in den Futtertrog – Zukunftsweisende Eiweißfutter-Versorgung für NRW" vorgestellt. Heimische Leguminosen (Schmetterlingsblüher wie z.B. Ackerbohnen und Erbsen, die über Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden) müssten wieder zu einer bedeutenden Komponente in der Fütterung werden und z.B. importierten und oft gentechnisch erzeugten Sojaschrot ersetzen. Um Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft zu beheben, machte der bekannte AbL-Bundesvorsitzende Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf für die im Jahr 2013 anstehende Reform der Europäischen Agrarpolitik folgenden Vorschlag: In der ersten Säule der Agrarförderung sollte ein Anteil von 20% Leguminosen vorgeschrieben und der Anteil einer Ackerfrucht in einem Betrieb auf 50% begrenzt werden. Wenn ein Betrieb die 50%-Grenze einer Frucht überschreitet, solle dies einen 30%-Abzug bei der Fördersumme für alle Ackerflächen des Betriebes geben. Mit dieser einfachen Regelung würde z.B. der Maisanbau stark eingeschränkt und auch die Nitratbelastung des Grundwassers zurückgehen. Auch für den Naturschutz wäre die Förderung mehrgliedriger Fruchtfolgen und ein verpflichtender Anteil von Leguminosen positiv zu werten. Der derzeitige EU-Agrarkommissar ist für solche Ideen aufgeschlossen. Allerdings favorisieren vor allem die beiden mächtigen deutschen und französischen Landschwirtschaftsminister immer noch die derzeitige EU-Agrarförderung, die die industrielle Landwirtschaft begünstigt.

Hubertus Illner

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