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Weihen-Brutsaison 2018

Erneut verminderte sich der Brutbestand der Wiesenweihe in den Hellwegbörden, nun auf nur noch 16 Brutpaare in diesem Jahr. Damit lag er in den letzten vier Jahren jeweils unter 21 Brutpaaren. Vier der Erstbrutplätze lagen im Jahr 2018 außerhalb der Abgrenzung des EU-Vogelschutzgebietes (VSG) Hellwegbörde, allein drei westlich von Salzkotten.
Wie in den beiden Vorjahren brütete ein Wiesenweihenpaar weit nördlich des gewöhnlichen Brutareals bei Schachtrup. Auffällig ist die Ausdünnung des Brutbestandes im westlichen VSG Hellwegbörde: nur noch fünf Paare brüteten zwischen Schwefe und Erwitte.


Wie im Vorjahr gab es kolonieartige Ansiedlungsmuster östlich von Erwitte. Jeweils drei Brutpaare siedelten sich bei Langeneicke (minimale Nestabstände zueinander rund 410 m und 720 m), Geseke (minimale Nestabstände 160 m und 1040 m) und Salzkotten (minimale Nestabstände 550 m und 910 m) an. Alle anderen Erstbruten waren mit einer Ausnahme (ca 1,4 km Abstand zum nächsten Brutplatz) mindestens 4,0 km vom nächsten Nachbarn entfernt. Verglichen mit dem Vorjahr waren westlich von Erwitte sechs Brutbereiche verwaist und nur einer, bei Weslarn, neu besiedelt, während östlich von Erwitte nur ein Brutbereich, bei Borchen-Etteln, nicht mehr besetzt war und einer (bei Bönninghausen) neu besiedelt war.
An mehreren Stellen hielten sich im Mai und Juni, meist in der Nachbarschaft von etablierten Paaren, zum Teil wochenlang einzelne nicht brütende Paare und noch häufiger einzelne adulte Männchen auf, die zum Teil auch balzten, Beute präsentierten oder Nistmaterial eintrugen, ohne ein Weibchen binden zu können. Der Nichtbrüteranteil dürfte in diesem Jahr besonders hoch gewesen sein.
Aus NRW sind mir bisher fünf weitere Brutplätze der Wiesenweihe bekannt geworden und zwar in folgenden Kreisen: Euskirchen (eine Brut erfolglos, A. Heyd), Steinfurt (zwei erfolglos, R. Tüllinghoff), Minden-Lübbecke (eine erfolgreich, L. Meckling) und Warburg (eine erfolgreich, H. Kobialka). Nach bisherigem Kenntnisstand liegt der Landesbestand der Wiesenweihe im Jahr 2018 bei nur noch 21 Brutpaaren. Damit wurden im vierten Jahr in Folge in ganz NRW weniger als 25 Brutpaare der Wiesenweihe nachgewiesen.
Bei der Rohrweihe ist nach vorläufigem Auswertungsstand wie in den fünf Vorjahren von nur noch knapp 30 Brutpaaren innerhalb des VSG Hellwegbörde auszugehen. Besonders westlich von Soest ist der Bestandsrückgang weiterhin besorgniserregend. Auch aus den noch relativ gut besiedelten Kreisen Steinfurt (R. Tüllinghoff) und Warendorf (T. Laumeier) wird von einer Rückgangstendenz in den letzten Jahren berichtet.
Die größten Dichtezentren mit rund zehn Brutpaaren befanden sich wie in den Vorjahren im/am NSG Stockheimer Bruch und im Raum Schmerlecke-Ebbinghausen-Stirpe-Völlinghausen. An wenigen Stellen in Getreidekulturen hielten sich zeitweise Rohrweihen brutverdächtig auf, ohne dass es zur Brut kam. Die gewöhnlich ab der zweiten Maihäfte vermehrt auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche auftauchenden, noch nicht brütenden ein- und zweijährigen Rohrweihen, die hier mausernd übersommern, sah ich nach dem bisherigen Tiefststand im Jahr 2016 in diesem Jahr in nochmals veringerter Zahl (nach monatlichen Zählungen in drei Probeflächen seit 2006).
Erstmals wurde im Kreis Soest die Kollision einer Rohrweihe mit einer Windenergieanlage (WEA) nachgewiesen. Am 18.5.2018 abends entdeckte T. Laumeier eine adulte männliche Rohrweihe mit einem verletzten Flügel etwa 100 m auf einem Maisacker südöstlich einer neuen WEA in Lippetal Unterberg II. Da ein Handknochen mitsamt Handschwingen abgetrennt war, musste Dr. D. Hegemann die Weihe leider einschläfern. Die Art der Verletzung und der Fundort sprechen eindeutig für die Kollision mit der nahen WEA (Typ E82, Nabenhöhe 142 m, Rotorradius 41 m). Nur einige Hundert Meter entfernt hatte ein Jäger in den Wochen zuvor ein brutverdächtiges Paar in einem Rapsfeld beobachtet. Ein adultes Weibchen beobachtete ich dort noch am 26.5. sowie ein Brutpaar rund 900 m von dieser WEA. Auch ein Wiesenweihen-Männchen besetzte in der Nähe wochenlang ein Revier und rund 1350 m entfernt brütete ein Rotmilan. Der Totfund und die Greifvogeldaten wurden der Naturschutzbehörde umgehend gemeldet. Wegen des Rohrweihenpaares, das weniger als 1 km von dieser Anlage entfernt brütete, veranlasste der Kreis Soest daraufhin eine Abschaltung dieser WEA für die Haupt-Tagesaktivitätszeit bis zum Selbstständigwerden der Jungen im August. Die jungen Rohrweihen flogen Anfang August aus. 
Eigene standardisierte Mäuseloch-Erfassungen auf Stoppelfeldern im Juli und August erbrachten im Schnitt am Hellweg und auf der Paderborner Hochfläche sehr niedrige Zählergebnisse. Die Erreichbarkeit vor allem der Feldmäuse war wohl bis Juni wegen des dichten und schnellen Wuchses des Wintergetreides und sehr geringer Lagerbildung von Wintergerste und Triticale meist schlecht. Aufgrund der außergewöhnlich trockenwarmen Witterung dünnten die Getreidebestände im Laufe des Sommers insbesondere auf den flachgründigen Kalkscherbenäckern des Haarstranges und der Paderborner Hochfläche merklich aus, wodurch die Erreichbarkeit von Mäusen und anderen Beutetieren spätestens ab Juli dort relativ gut gewesen sein dürfte. Auch die sehr frühe Wintergerstenernte (am 30. Juni war in den Tieflagen schon die Hälfte der Gerstenschläge abgeerntet) dürfte die Beuteerreichbarkeit schon relativ früher als üblich verbessert haben.
Die durchschnittlich relativ späte Ankunft der Wiesenweihen aus den afrikanischen Winterquartieren und der geringe Mäusebestand dürften wesentliche Ursachen für den relativ späten Legebeginn von Wiesenweihe und Rohrweihe gewesen sein. Wiesenweihen brüteten bis auf eine Ausnahme (Hochstauden an einem Tümpel) in Getreidebeständen: zwölfmal in Wintergerste und dreimal in Winterweizen (es gab nur Erstbruten). Rohrweihen nisteten zu einem großen Teil im Schilf und anderen Hochstauden; neun Bruten gab es im Wintergetreide (achtmal in Wintergerste und einmal im Hafer) und drei in Ackerbrachen.
Mit insgesamt 30 flüggen Wiesenweihen bzw. 1,9 Jungvögeln pro Brutpaar wurde eine durchschnittliche Fortpflanzungsziffer erreicht. Sämtliche Jungvögel, auch die in drei erfolgreichen Bruten in Winterweizen, wurden wegen der sehr frühen Getreideernte nur dank des Nestschutzes flügge. Alle Bewirtschafter von Feldern mit noch nicht flugfähigen Jungvögeln zu Erntebeginn beteiligten sich bereitwillig am Schutzprogramm. Sie erhielten den Ertragsausfall für die eingerichteten Schutzzonen einer Größe von meist 50 x 50 m aus Landesmitteln erstattet. Alle Jungvögel der Wiesenweihe wurden beringt und erhielten zusätzlich einen weißen Farbring mit zwei Ziffern, der bei geeigneten Bedingungen mit einem Spektiv abgelesen werden kann.
Im Gegensatz zur Wiesenweihe war der Bruterfolg der Rohrweihe in den neun Getreidenestern mit 1,2 Jungvögeln pro angefangene Brut erneut deutlich unterdurchschnittlich, während die drei Bruten in Ackerbrachen erfolgreich waren. Der niedrige Bruterfolg war vor allem durch Totalverluste infolge einer Nestprädation durch Säugetiere bedingt. Bei den drei erfolgreichen Getreidebruten flogen die Jungen dank der Einrichtung einer 50 x 50 m großen Schutzzone aus.
Auch in dieser Brutsaison (Einzelheiten hier; Suche mit dem Stichwort "Farbring") gelangen zahlreiche Ablesungen von markierten Wiesenweihen. Ein erfolgreich brütendes Weibchen trug eine Flügelmarke aus Mainfranken (dieses Weibchen brütete schon im Vorjahr in dieser Feldflur). Häufig wurden weiße Farbringe abgelesen, die seit 2006 den meisten, in den letzten Jahren allen nestjungen Wiesenweihen in der Hellwegregion angelegt wurden.
Unter den wenigen im August auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche rastenden diesjährigen Wiesenweihen wurde keine ohne Ring nachgewiesen.
Auch in diesem Jahr siedelten sich in der Hellwegregion aufgewachsene Wiesenweihen in einem anderen Bundesland (Niedersachsen) an: Ein mittelwestfälisches Weibchen brütete 2018 (die Brut scheiterte) wie schon im Jahr 2017 in der Diepholzer Moorniederung im Landkreis Nienburg und ein Männchen mit dem Farbring T0, das 2016 südlich von Beckum aufwuchs, brütete erfolgreich im Landkreis Diepholz.
In den Monaten Mai und Juni sah ich nur sehr vereinzelt Kornweihen in der Hellwegregion, meist Weibchenfarbige.

Schlafplatz-Gemeinschaften von Weihen fand ich wie in den Vorjahren von Juli bis August auf dem Haarstrang und auf der Paderborner Hochfläche, meist in Feldfluren, die schon in den Vorjahren zum Schlafen genutzt wurden. Die Belegungszahlen waren auffallend niedrig (selten mehr als zehn Wiesen- und Rohrweihen an einem Abend einfliegend) und sanken schon ab Mitte August deutlich ab. Wegen der frühen Ernte verblieben als geeignete Schlafplätze ab August fast nur noch ungemähte Ackerbrachen oder Zuckerrübenfelder. In den höheren Lagen von Haarstrang und Paderborner Hochfläche waren fast keine gemeinsamen Übernachtungsstellen auszumachen, was mit der sehr frühen Getreideernte und der umgehenden Bodenbearbeitung zusammenhängen dürfte. Dadurch waren fast keine geeigneten Vegetationsbestände mehr zum Übernachten vorhanden, und die ohnehin wenigen Mäuse waren wohl durch die Bodenbearbeitung dezimiert. Eine Ausnahme stellt die Hochlage südwestlich von Marsberg-Meerhof dar, wo ein Schlafplatz in einer Ackerbrache am 15.8. mindestens fünf Weihen aufwies. An den Gemeinschafts-Schlafplätzen fanden sich nach dem Ausfliegen der Jungen auch besenderte Wiesenweihen ein, die teils viele Wochen zielstrebig über mehrere Kilometer bis über 20 km einen bestimmten Schlafplatz anflogen.
Während meiner Weihenerfassungen verhörte ich im Jahr 2018 überraschenderweise an drei Stellen singende Grauammern: bei Domhof, nördlich Westereiden und nördöstlich Oestereiden, Rohrammern allerdings überhaupt nicht mehr. Turteltauben stellte ich nur ausnahmsweise und Wiesenpieper sehr selten singend oder Junge fütternd fest. Rufende Wachteln waren - wie schon in den drei Vorjahren - nur selten zu vernehmen.

Hubertus Illner

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