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Ausflug in Lippstadts bunte Wiesen

Die drei Lippstädter Naturschutzverbände (Nabu, BUND und ABU) luden im Juli ein zu einer Fahrradexkursion in die Auen westlich Lippstadts und es kamen zahlreiche Naturinteressierte sogar aus dem Sauerland, um bei allerschönstem Sommerwetter eine Fahrt entlang der Lippe und Gieseler zu unternehmen. Es wurden besonders die artenreichen Wiesen in den Naturschutzgebieten Lusebredde und Hellinghauser Mersch aus der Nähe betrachtet. Dort ist der Anteil der Flächen in öffentlichem Eigentum besonders hoch. Erst beim Durchstreifen erkennt man, wie groß die Zahl an Pflanzen- und Tierarten wirklich ist und wie sich die verschiedenen Gräser und Kräuter in ungedüngten Wiesen in bestimmter Weise anordnen. Nur in diesen lichten Beständen ist Platz und Licht bis zur Bodenoberfläche. Dazu braucht es natürlich Artenreichtum in der Umgebung, so dass auch „unbewegliche“ Pflanzen einwandern können. Wenn es an bunten Wiesen und Säumen jedoch mangelt, kann der Mensch bei Bedarf nachhelfen, indem Samen aus der erreichbaren Nachbarschaft zum Beispiel als Heu ausgebracht wird. Solche Wiesen sind in unseren Naturschutzgebieten mittlerweile wieder vorhanden. Sie können Spenderflächen sein für die Entwicklungsflächen auch außerhalb der Schutzgebiete. So konnten die Exkursionsteilnehmer hautnah einem Samen- und Heutransport am Ortsrand von Overhagen beiwohnen.

Eine blühende Wiese in der Hellinghauser MerschRadexkursion zu den Lippstädter Wiesen

Da (noch) nicht genug dieser artenreichen Wiesen wieder vorhanden sind, kann man alternativ bzw. vorübergehend auch auf sogenanntes Regiosaatgut aus dem Samen-Fachhandel zurückgreifen. Diese Samen entstammen einem großen Herkunftsgebiet in Westdeutschland und wurden zur Saatgutproduktion vermehrt und als Standartmischungen vermarktet. Da nicht alle dieser Pflanzenarten in Lippstadts Grünland typisch sind, wurde eine reduzierte Lippstädter Mischung erstellt. Sie stellt somit eine heimische Alternative zu den zahlreichen Blühmischungen dar, die weniger die Herkunft der Arten berücksichtigt als vielmehr die Pollen- und Nektarmenge (Bienenweide) und Attraktivität für das menschliche Auge.


Die Ansichten der Lippstädter „Initiative zur Erhaltung der heimischen Artenvielfalt“ entstammen weniger einem Patriotismus, vielmehr folgen sie den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Evolutions-Biologen, wie der Lippstädter Lehrer Hermann Müller einer war. Er stand im Austausch mit namhaften Wissenschaftlern seiner Zeit, ja sogar mit Charles Darwin. So wurde schon im vorletzten Jahrhundert durch genaue Naturbeobachtung erkannt, wie eng und speziell die Verbindung zwischen Pflanzen und Insekten sind. Diese Lebensgemeinschaft ist optimal an die örtlichen (Klima-) Bedingungen angepasst. Der Artenreichtum insgesamt ist am höchsten, wenn die heimische Pflanzenwelt so vielfältig wie möglich ausgebildet ist. Nur dann können auch die spezialisierten Insekten und dazu gehören nicht nur bestäubende Blütenbesucher, sondern auch für den Menschen scheinbar nutzlose Arten wie zum Beispiel die Gallwespen existieren.


Selbstredend, dass vor Ort entstandene, extensiv genutzte Wiesen und Weiden mit heimischer Pflanzenkombination auch für alle übrigen Tierarten, den Wiesenvögeln, Mäusen, Heuschrecken und Grasfröschen besonders günstige Nahrungs- und Strukturbedingungen bieten. Alle Exkursionsteilnehmer ließen sich bei der Naturschutzradtour von der Begeisterung für die bunten Wiesen Lippstadts anstecken. Neben den Aktivitäten der Naturschutzverbände in der freien Landschaft kann auch jeder einzelne durch Verwendung einer kleinen Menge der Lippstädter Mischung seinen Rasen bunter und insektenfreundlich gestalten. Der Einsatz der Lippstädter Mischung sollte an den angrenzenden Naturräumen der Mittelgebirge und der Sandlandschaften Halt machen. Dort sind andere Artenkombinationen typisch. Auch die Stadt Lippstadt hat ihre Bereitschaft zur häufigeren Verwendung heimischer Pflanzenarten und insektenfreundlicher Grünflächenpflege bekundet.


Die „Lippstädter Mischung“ ist im Eine-Welt-Laden in Lippstadt, beim Hof Scheer in Hellinghausen, der INI in Lippstadt und selbstverständlich in der Biostation in Bad Sassendorf-Lohne gegen eine Schutzgebühr von 50 Cent erhältlich.

 

 

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