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Weihen-Brutsaison 2017

Die Befürchtung, dass es nach Tiefpunkt beim Brutbestand der Wiesenweihe im Vorjahr weiter bergab gehen würde, bestätigte sich zum Glück nicht. Der Brutbestand stieg wieder leicht auf 20 Brutpaare in den Hellwegbörden an; ein weiteres Paar brütete auf der Paderborner Hochfläche bei Etteln. Vier der Erstbrutplätze lagen außerhalb der Abgrenzung des EU-Vogelschutzgebietes (VSG) Hellwegbörde.

Wie im Vorjahr brütete ein Wiesenweihenpaar weit nördlich des gewöhnlichen Brutareals bei Schachtrup. In der Feldflur Vierhausen-Ruhne-Gerlingen gab es nach dem erstmaligen Ausbleiben einer Brut im Vorjahr wieder eine Brutansiedlung, wobei das farbberingte Weibchen (Nr. 25) sich als dasjenige auswies, das dort schon 2015 gebrütet hatte.
Stärker als im Vorjahr kam es 2017 vereinzelt zu kolonieartigen Ansiedlungsmustern. Bei Geseke brüteten vier Paare mit minimalen Nestabständen von rund 320 m bis 450 m zueinander, und bei Salzkotten nisteten zwei Paare im Abstand von rund 520 m. Alle anderen Erstbruten waren mindestens 1,5 km vom nächsten Erstbrutplatz entfernt; ein Nest einer wahrscheinlichen Ersatzbrut rückte etwa 420 m an den nächsten Erstbrutplatz heran. Im westlichen Brutareal bis Erwitte wurden einige Feldfluren neu besiedelt, während östlich von Erwitte nur schon im Vorjahr besiedelte Räume in höherer Dichte wieder besiedelt wurden.
Aus NRW ist mir bisher nur ein weiteres Brutpaar bekannt geworden, aus dem Kreis Minden-Lübbecke (L. Meckling). Nachtrag: 6.11.2017: zwei weitere Brutvorkommen gab es im Kreis Steinfurt (R. Tüllinghoff). Damit liegt der Landesbestand der Wiesenweihe nach jetzigem Kenntnisstand bei 24 Brutpaaren im Jahr 2017. Das sind erheblich weniger Brutpaare als in den 1990er Jahren.
Bei der Rohrweihe ist nach vorläufigem Auswertungsstand wie in den vier Vorjahren von nur noch rund 30 Brutpaaren innerhalb des VSG Hellwegbörde auszugehen. Besonders westlich von Soest ist der Bestandsrückgang weiterhin dramatisch: Innerhalb des VSG Hellwegbörde gab es nur zwei erfolglose Brutpaare bzw. Brutversuche; zwei weitere Paare brüteten knapp außerhalb östlich von Hilbeck im Bereich der geplanten Trasse der A445 Sönnern-Rhynern. Die größten Dichtezentren mit rund 10 Brutpaaren befanden sich wie in den Vorjahren im Raum Schmerlecke-Ebbinghausen-Stirpe-Völlinghausen und im/am NSG Stockheimer Bruch. An mehreren Stellen in Getreidekulturen hielten sich zeitweise Rohrweihen brutverdächtig auf, ohne dass es zur Brut kam. Die gewöhnlich ab der zweiten Maihäfte vermehrt auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche auftauchenden, noch nicht brütenden ein- und zweijährigen Rohrweihen, die hier mausernd übersommern, sah ich in diesem Jahr in etwas größerer Zahl als im Vorjahr, als ein Tiefststand dieser Zahl seit 2006 festzustellen war.
Eigene standardisierte Mäuseloch-Erfassungen auf Stoppelfeldern im Juli und August erbrachten im Schnitt am Hellweg und auf der Paderborner Hochfläche mäßig hohe Zählergebnisse, die deutlich über denen des Vorjahres lagen, aber keine regelrechte Gradation bedeuten. Die Erreichbarkeit der Feldmäuse war wohl meist schlecht bis zur Ernte, weil die Wintergetreidebestände überwiegend relativ dicht gewachsen waren (Ausnahme Kalkscherbenäcker auf dem Haarstrang) und zumindest bis Anfang Juni fast kein Getreide ins Lager ging.
Mehrwöchige trockenkalte Witterungsphasen im Frühjahr und die durchschnittlich relativ späte Ankunft der Wiesenweihen aus den afrikanischen Winterquartieren sind wohl wesentliche Ursachen für den durchschnittlich späten Legebeginn vor allem der Wiesenweihe. Sie brüteten bis auf zwei Ausnahmen (Goldrutenbestand, Kleegras) in Getreidebeständen: vierzehnmal in Wintergerste, fünfmal in Winterweizen und viermal in Triticale (21 Erst- und vier Ersatzbruten). Rohrweihen nisteten zu einem großen Teil im Schilf und anderen Hochstauden.15 Bruten in Wintergetreide (dazu eine im Feldgras) verteilen sich auf zehn in Wintergerste, zwei in Winterweizen und je eine in Triticale, Raps und Dinkel.
Mit insgesamt 44 flüggen Wiesenweihen bzw. 2,1 Jungvögeln pro Brutpaar wurde eine überdurchschnittlich hohe Fortpflanzungsziffer erreicht. Nach acht Erstbrutverlusten kam es viermal zur Ersatzbrut. 33 (=75%) Jungvögel wurden nur dank des Nestschutzes flügge. Alle Bewirtschafter von Feldern mit noch nicht flugfähigen Jungvögeln zu Erntebeginn beteiligten sich bereitwillig am Schutzprogramm. Sie erhielten den Ertragsausfall für die eingerichteten Schutzzonen einer Größe von meist 50 x 50 m aus Landesmitteln erstattet. Alle Jungvögel der Wiesenweihe wurden beringt und erhielten zusätzlich einen weißen Farbring mit zwei Ziffern, die bei geeigneten Bedingungen mit einem Spektiv abgelesen werden können.
Im Gegensatz zur Wiesenweihe war der Bruterfolg der Rohrweihe in den 15 Getreidenestern mit 1,2 Jungvögeln pro angefangene Brut erneut deutlich unterdurchschnittlich. Der niedrige Bruterfolg war vor allem durch Säugetiere verursacht, die vornehmlich schon mehrere Wochen alte Jungvögel töteten ohne sie zu fressen. Bei fünf Nestern flogen die Jungen dank der Einrichtung einer 50 x 50 m großen Schutzzone aus. Nur aus einem Nest im Raps wurden die Jungen vor der regulären Ernte flügge.
Zahlreiche Ablesungen von markierten Wiesenweihen gelangen auch in dieser Brutsaison (Einzelheiten hier; Suche mit dem Stichwort "Farbring"). Zwei erfolgreich brütende Weibchen trugen Flügelmarken: eine stammte aus Westfrankreich, die andere aus Mainfranken. Häufig wurden weiße Farbringe abgelesen, die ich seit 2006 den meisten, in den letzten Jahrenn allen nestjungen Wiesenweihen in der Hellwegregion angelegt hatte. Auch bei dem abgelegenen Brutpaar bei Etteln auf der Paderborner Hochfläche trug ein Brutpartner einen weißen Farbring, der zeigte, dass der Altvogel im VSG Hellwegbörde aufgewachsen war.
Unter den im August und Anfang September auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche rastenden diesjährigen Wiesenweihen waren einige unberingt, sie waren also nicht in der Hellwegregion aufgewachsen. Das gilt auch für einige unberingte vorjährige Wiesenweihen, die ab Mitte Mai vereinzelt zu beobachten waren. Im Lauf des August stieg die Beobachtungszahl vor allem vorjähriger Männchen an. An einem Gemeinschafts-Schlafplatz bei Oestereiden sah ich einmal mindestens vier vorjährige Männchen- darunter beringte und unberingte. Dies unterstreicht die Bedeutung dieser höheren Lagen auch für fremde bzw. noch nicht brütende Wiesenweihen, die hier übersommern oder auf dem Durchzug zum Teil wochenlang rasten.
Erneut siedelte sich eine in der Hellwegregion aufgewachsene Wiesenweihe in einem anderen Bundesland an. Ein mittelwestfälisches Weibchen brütete 2017 im Landkreis Diepholz.
In den Monaten Mai und Juni sah ich mehrfach Kornweihen in der Hellwegregion, auch adulte Männchen, nachdem dies in den Vorjahren eine sehr seltene Ausnahme war. Bei Haarhöfe-Oberbergheim ließ sich von April bis Juni immer wieder ein adultes Männchen beobachten, das wochenlang auch intensive Flugbalz zeigte, ohne allerdings einen geeigneten Partner zu finden.
Nachtrag 4.10.2017: Am 22.8. wurden bei Geseke-Hölterberg, am 30.8. und 6.9. im Osten des Kreises Unna und am 12.9. und 19.9.2017 in den Ahsewiesen einzelne männliche Steppenweihen beobachtet.
Schlafplatz-Gemeinschaften von Weihen fand ich wie in den Vorjahren im August bis Anfang September auf dem Haarstrang und auf der Paderborner Hochfläche, meist in Feldfluren, die schon in den Vorjahren zum Schlafen genutzt wurden. An mehreren Stellen flogen meist nach Sonnenuntergang 10 oder mehr Wiesen- und Rohrweihen in Getreidefelder, Brachen oder Zuckerrübenfelder ein. An einem Schlafplatz bei Oestereiden zählte ich abends 19 Wiesen- und mindestens acht Rohrweihen (Näheres hier). Dies ist die zweithöchste Zahl seit meinen Erfassungen an Schlafplätzen, die 2007 anfingen. An den Gemeinschafts-Schlafplätzen fanden sich nach dem Ausfliegen der Jungen auch besenderte Wiesenweihen ein (Näheres zur Besenderung hier), die teils wochenlang jeden Abend zielstrebig über mehrere Kilometer einen Schlafplatz anflogen.

Während meiner Weihenerfassungen verhörte ich einmalig jeweils eine singende Grauammer nördlich Domhof und südlich Langeneicke, Rohrammern überhaupt nicht mehr. Turteltauben stellte ich nur ausnahmsweise und Wiesenpieper sehr selten singend oder Junge fütternd fest. Rufende Wachteln waren - wie schon in den beiden Vorjahren - nur selten zu vernehmen.
Hubertus Illner

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