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Besenderte westfälische Wiesenweihen auf dem Weg nach Afrika und im Brutgebiet

In der Hellwegregion wurden mit Unterstützung der Niederländischen Wiesenweihenstiftung am 2. Juli 2017 vier alte Wiesenweihen in der Nähe ihrer Brutplätze mit Jungen gefangen und auf deren Rücken neueste GSM/GPS-Sender, die präzise Ortsdaten liefern, angebracht. Zwei (mit den Namen Christian und Raymond) haben auf ihrem Weg nach Afrika inzwischen die iberische Halbinsel erreicht, und zwei (Angela und Hubertus) sind sogar schon im Norden von Algerien angelangt (hier zu der Karte mit den laufend aktualisierten Zugwegen).
Die drei männlichen Wiesenweihen flogen am Tag des Wegzugbeginns erst nach Westen, den Haarkamm als „Leitlinie“ nutzend. Erst ungefähr bei Werl änderten sie ihre Zugrichtung auf Südwest. Alle vier überflogen das Bergische Land, die drei Männchen dann an Lüttich vorbei weiter nach Südwest.
Das am 7.8 gestartete Weibchen Angela machte nach dem ersten Wegzugtag mehrere Tage einen Zwischenstopp in den Ackerfluren südwestlich von Köln, um dann über die Eifel hinweg weiter zu ziehen. Bemerkenswert ist der Zugweg von Angela über das Mittelmeer. Am 1.9. 10:10 Uhr hiesiger Sommerzeit (auch im Folgenden) erreichte sie die Südostküste von Spanien, flog rund 160 km über das Mittelmeer und erreichte 12:50 Uhr die marokkanische Küste, was einer mittleren  Fluggeschwindigkeit über dem Meer von rund 60 km/h entspricht.
Das am 14.8. gestartete Männchen Hubertus zog relativ zügig nach Süden und erreichte am 1.9. 10 Uhr Mecheria im Norden von Algerien. Von da zog es in knapp drei Tagen 700 km weiter nach Süden durch die Sahara.
Die beiden Männchen Christian (Zugstart 14.8.) und Raymond (Zugstart 22.8.) überquerten Ende August die Pyrenäen, um dann im Norden Spaniens einige Tage eine Zugpause einzulegen: Christian bei Biota (Weiterzug am 6.9.) und Raymond bei Zaragoza (am 6.9. noch dort).
Zugweg Wiesenweihen-Weibchen Angela Stand 3.9.2017Zugweg Wiesenweihen-Männchen Hubertus Stand 3.9.2017Zug-Zwischenstopp Wiesenweihen-Männchen Christian südlich der Pyrenäen, Stand 5.9.2017Zug-Zwischenstopp Wiesenweihen-Männchen Raymond südlich der Pyrenäen, Stand 5.9.2017

Neben der Erkundung der Zugwege und Winterquartiere ist die wesentliche Zielsetzung des Besenderungs-Projektes Aktionsräume, Jagdgebiete und Flugverhalten von Wiesen- und Rohrweihen im mittel-/ostwestfälischen Brutgebiet zu ermitteln. Die gewonnenen Raumdaten dienen dem Schutz der beiden Weihenarten, in dem sie u.a. Hinweise auf eine effektive räumliche Steuerung von neuen Nahrungsgebieten geben. Die vier Bruten mit jeweils einem besenderten Altvogel (drei Männchen, ein Weibchen) waren erfolgreich. Es flogen aus: 3 Junge am 31.7. bei Schwefe, 3 am 23.7. bei Echtrop, jeweils 4 am 18.7. bzw. 25.7. an den zwei Brutplätzen bei Geseke. Zu weiteren Infos zur Brutsaison 2017 hier.
Die Aktionsräume der besenderten Wiesenweihen sahen in der Fütterungszeit der Jungen bis zum 23. Juli 2017 zusammengefasst wie folgt aus:
Das Männchen Raymond aus Schwefe beflog einen etwa 10 x 8 km großen Raum, der sich schwerpunktmäßig südlich vom Brutplatz, also auf dem Haarstrang befand. Im Norden flog das Männchen bis Klotingen bzw. Borgeln, im Süden bis Ruhne, Günne bzw. Deiringsen.
Das Männchen Hubertus aus Echtrop nutzte einen etwa 9 x 7 km großen Raum auf dem Haarstrang. Die Eckpunkte des Aktionsraums (im Uhrzeigersinn) sind Müllingsen, Beusingsen, Altengeseke, Altenmellrich, Waldhausen, Oberbergheim und Stockum.
Das Männchen Christian aus Geseke hatte einen etwa 10 x 8 km großen Aktionsraum, der sich fast ausschließlich südlich vom Brutplatz befand. Im Südosten reichte er bis Brenken und im Südwesten bis Westereiden.
Das Weibchen Angela aus Geseke (Ausflug der Jungen 18.7.) beflog einen etwa 7 x 6 km großen Raum, der sich ebenfalls nach Süden auf den Haarstrang erstreckte, aber nicht über die A 44 reichte. Schon am 3./4.7., also zwei Wochen vor dem Ausfliegen der Jungen, entfernte sich das Weibchen bis etwa 6 km vom Nest.
Bemerkenswert sind bei allen vier Wiesenweihen die relativ großen Aktionsräume, die sich schwerpunktmäßig auf dem Haarstrang südlich des Hellwegs befanden, zum Teil auch außerhalb der Grenzen des EU-Vogelschutzgebietes Hellwegbörde lagen. Da auf die registrierten „Ausflüge“ meist Rückfluge zum Brutplatz erfolgten, ist davon auszugehen, dass die meisten von den Sendern registrierten Ortsbewegungen Flüge zum Nahrungserwerb und zum Beutetransport zu den Jungen bedeuten. Die Senderdaten bestätigen in umfassender Weise meine seit 2006 gewonnenen Sichtbeobachtungen, die zeigten, dass Wiesenweihen meist vom höher gelegenen Haarstrang mit Beute zu den Brutplätzen entlang des Hellwegs zurückkehren.
Nach dem Selbstständigwerden der Jungen erweiterten alle vier Altvögel ihre Aktionsräume und machten bis über 10 km weite Ausflüge, die teils zielgerichtet zu anderen Brutplätzen oder Gemeinschafts-Schlafplätzen im Hellwegraum führten. Tagsüber hielten sie sich in dieser Zeitphase überwiegend in den höheren Lagen des Haarstranges auf, fast immer südlich der A 44. Das Weibchen machte vor dem eigentlichen Abzug einen mehrtätigen Ausflug in die Niederrheinische Bucht, wo in den Vorjahren vereinzelt Wiesenweihen brüteten. Es kehrte im gradlinigen Flug wieder zum Ausgangspunkt Hellwegbörde zurück. Auf dem Wegzug rastete Angela dort erneut einige Tage.
Über die Ergebnisse der Besenderung im Brutgebiet wird am 15. Februar 2018 in der Lohner Mühle in einem öffentlichen Vortrag ausführlicher berichtet.

H. Illner
Besendertes Wiesenweihen-Männchen bei der Freilassung in Schwefe. Links im Bild Prof. Raymond Klaassen, in der Mitte der Autor, rechts Ben Koks (2.7.2017, C.Härting)Besendertes Wiesenweihen-Männchen bei der Freilassung in Echtrop am 2.7.2017. Rechts im Bild Christian Härting

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