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Tödliche Hilfe: Hände weg von Jungvögeln

Jedes Jahr im Frühling finden Spaziergänger, Naturfreunde oder spielende Kinder vermeintlich verlassene Jungvögel, versuchen sie aufzupäppeln oder liefern sie bei Tierärzten oder Auffangstationen ab. Die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU) weist nun darauf hin, dass die Aufnahme dieser Jungvögel in die menschliche Obhut in den meisten Fällen für die Jungvögel keine Hilfe darstellt. Weniger als 20 Prozent der in den Auffangstationen abgelieferten Jungvögel sind tatsächlich verletzt oder erkrankt. Nur das Aufwachsen in der Natur macht die Jungvögel überlebensfähig. Falsches Verhalten, Fehlprägungen und Wachstumsstörungen der durch menschliche Hand aufgewachsenen Vögel führt oft im nächsten Winter zum Tod. Selbst von in der Natur aufgewachsenen Jungvögeln überleben bei manchen Vogelarten weniger als ein Drittel bis zum nächsten Frühjahr. In menschlicher Obhut aufgewachsene Vögel haben eine noch viel geringere Überlebenschance. Der Tierarzt der ABU, Dr. Hegemann stellt klar: Grundsätzlich gilt: Hände weg von Jungvögeln!
Junge-DrosseL_DHJunge_Graugnse2__D._Hegemann_kleiner Wer aber hat nun Hilfe wirklich nötig und wie verhält man sich richtig? Hilfe benötigen nur aus dem Nest gefallene unbefiederte, verlassene oder erkennbar verletzte Jungvögel.

Zunächst gilt: Aus dem Nest gefallene, noch nackte Vogeljunge können wieder ins Nest zurückgesetzt werden, damit sie weiter von den Eltern versorgt werden. Menschlichen Geruch nehmen die Vögel nicht wahr, so dass man die Vogeljungen getrost anfassen kann. Jungvögel verlassen bei normaler Entwicklung das Nest zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht fliegen können. Sie halten sich in der Umgebung des Nestes auf, sitzen je nach Art auf Zweigen oder auch am Boden, halten durch Rufe Kontakt zu den Elterntieren und werden von diesen gefüttert. Um zu beurteilen, ob ein solcher Jungvogel verlassen ist, sollte man ihn aus einiger Entfernung – ohne dass sich die Altvögel gestört fühlen – beobachten. Erst wenn 2-3 Stunden kein Altvogel zur Fütterung erscheint benötigt der Jungvogel menschliche Hilfe. Am Boden sitzende Jungvögel kann man zum Schutz vor Greifvögeln oder Katzen auch ins nahe Gebüsch auf einen Zweig setzen, sie sind dort gut getarnt und der Rufkontakt zu den Eltern bleibt erhalten. Nur wenn der Jungvogel tatsächlich verlassen, erkennbar verletzt oder abgemagert ist, darf er in menschliche Obhut genommen und gepflegt werden. Verletzte Tiere sollten in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden. Für die Fütterung ist es wichtig, ob es sich um einen Körner- oder Weichfutterfresser handelt. Die Unterbringung erfolgt am besten in einem Karton oder einem natürlich ausgestatteten Käfig. Um Fehlprägungen und eine Gewöhnung an den Menschen zu vermeiden, sollte sich der Kontakt zu dem Vogel auf ein Minimum beschränken. Sobald die Befiederung vollständig ist und der Vogel selbständig Futter aufnimmt, sollte er in die Freiheit entlassen werden. Besondere Vorsicht ist geboten, will man eine verletzte Eule oder einen Greifvogel aufnehmen. Handschuhe oder das Aufnehmen des Vogels mit einer Decke ist ratsam, um sich selbst vor Verletzungen zu schützen. Dabei sollte man mehr auf die Krallen als auf den Schnabel achten. Für den Transport haben sich stabile Kartons oder Katzentransportboxen bewährt. Die Aufzucht und Pflege dieser Vögel gehört allerdings in die Hände von sachkundigen Personen in Wildvogelauffangstationen – zum Beispiel die der ABU.

 

 

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